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Sicher ist Sicher

Schwimmweste Versicherungen für Young Professionals

Eine Minute mal nicht aufgepasst, und schon ist es passiert: Das Auto hat eine Schramme, der Knöchel ist gebrochen, oder die Waschmaschine hat den Teppich unter Wasser gesetzt. In allen drei Fällen kann eine Versicherung Hilfe leisten – ist sie aber auch in jedem Fall notwendig?
Um sich gerade zu Beginn der beruflichen Karriere finanziell nicht zu übernehmen, ist es wichtig zu prüfen, welche Versicherungen sinnvoll sind und auf welche man, zumindest vorläufig, verzichten kann. Als Anhaltspunkt kann folgende Überlegung dienen: Welcher Schaden kann mich in den finanziellen Ruin treiben, und was könnte ich zur Not aus eigener Tasche zahlen?

Von Sabine Olschner

Die Privathaftpflichtversicherung. Sie ist ein absolutes Muss für jeden. Denn nach dem Gesetz ist derjenige, der einem anderen (aus Unachtsamkeit) einen Schaden zufügt, verpflichtet, den Schaden in unbegrenzter Höhe zu begleichen – und zwar mit seinem gesamten Einkommen und Vermögen. Dies kann bedeuten, dass zum Beispiel bei einem Unfall mit Personenschaden auf den Verursacher Forderungen in Millionenhöhe zukommen. Die Leistungsobergrenze, die so genannte Deckungssumme, sollte nicht zu niedrig gewählt werden. Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine Mindestdeckungssumme von 2,5 Millionen Euro.

Die Krankenversicherung. Ebenso wichtig ist eine Krankenversicherung, denn eine Operation oder die Behandlung einer chronischen Krankheit kann teuer werden. Arbeitnehmer, deren Jahresbruttoeinkommen unter der Beitragsbemessungsgrenze von 46 800 Euro liegt, sind in einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) pflichtversichert. Dabei hat der Arbeitnehmer die Wahl, bei welcher GKV er Mitglied werden will. Die Leistungen sind gesetzlich festgelegt und daher bei allen gleich. Ein Kostenvergleich lohnt jedoch auf jeden Fall: So zahlt man bei der einen Kasse zum Beispiel nur 12,9 Prozent seines Bruttogehaltes ein, bei einer anderen über 15 Prozent. Jeweils die Hälfte davon übernimmt der Arbeitgeber. Besser Verdienende, deren Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze liegen, haben die Wahl, ob sie in der gesetzlichen Kasse bleiben oder in die private Krankenversicherung (PKV) wechseln wollen. Die Entscheidung sollte jedoch gründlich überdacht werden, denn eine Rückkehr in die gesetzliche Kasse ist so gut wie ausgeschlossen. Ein Vorteil der PKV vor allem für jüngere Mitglieder ist der günstige Beitrag, der jedoch später stark ansteigen kann. Damit die Prämien im Alter nicht explodieren, bilden die PKV so genannte Altersrückstellungen. Diese können allerdings bei einem Wechsel in eine andere PKV nicht mitgenommen werden, sodass auch ein Wechsel innerhalb des privaten Krankenversicherungssystems gut überlegt sein sollte. Leistungen, die einmal vereinbart worden sind, kann die PKV nicht ändern, während Versicherte der GKV in den nächsten Jahren mit weiteren Leistungseinschnitten rechnen müssen. Ein Nachteil der privaten Versicherungen ist es, dass jedes Familienmitglied einzeln versichert werden muss, während im Beitrag der GKV die ganze Familie eingeschlossen ist. Wer also mehrere Kinder plant, sollte lieber gesetzlich versichert bleiben und vielleicht stattdessen eine private Zusatzversicherung abschließen, die zum Beispiel die Kosten für Chefarztbehandlung und freie Krankenhauswahl übernimmt.

Berufsunfähigkeitsversicherung. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) steht ebenfalls ganz oben auf der Liste der notwendigen Versicherungen. Denn ein Unfall oder eine schwere Krankheit kann schnell dazu führen, dass man seinen derzeitigen Beruf nicht mehr ausüben kann. Zwar zahlen Berufseinsteiger von Beginn an in die gesetzliche Rentenversicherung ein, aber sie haben erst nach einer Wartezeit von fünf Jahren Anspruch auf eine Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeitsrente. Deren Leistungen sind sehr niedrig und können kaum die Lücke des fehlenden Einkommens schließen. Wer noch in der Lage ist, zwischen drei und sechs Stunden zu arbeiten, bekommt nur die Hälfte der gesetzlichen Rente ausgezahlt. Daher lohnt sich eine private BU, die vom ersten Tag an zahlt. Die Höhe der Leistungen kann man bei Abschluss der Versicherung selbst wählen und der Entwicklung des Lebensstandards anpassen. Vor der Unterschrift unter einen Vertrag sollte man auf jeden Fall sicherstellen, dass die Versicherung keine so genannte Verweisklausel enthält. Mit dieser Klausel behalten sich manche Versicherer vor, den Versicherten auf geringer qualifizierte oder schlechter bezahlte Jobs zu verweisen. Dies kann besonders für Hochschulabsolventen große finanzielle Einbußen bedeuten, wenn sie zum Beispiel eine Arbeit als Ingenieur nicht mehr ausüben können und auf einen Teilzeitjob als Pförtner verwiesen werden.

Private Rentenversicherung. Auch wenn beim Berufseinstieg die Rente noch in weiter Ferne zu sein scheint, sollte man sich frühzeitig Gedanken über eine finanzielle Absicherung im Alter machen. Denn dass die gesetzliche Rente in ein paar Jahren nicht mehr ausreichen wird, um seinen Lebensstandard im Alter zu halten, ist sicher. Und je früher man mit dem Sparen beginnt, umso mehr Geld steht – dank Zins und Zinseszins – für die Rentenzeit zur Verfügung. Besonders gute Ergebnisse erzielen fondsgebundene Rentenversicherungen. Hierbei wird das Kapital in Investmentfonds angelegt, die in der Regel gerade auf langfristiger Basis eine gute Rendite erzielen.

triamare.de: Kind Unfallversicherung. Im Gegensatz zur Berufsunfähigkeitsversicherung, die lebenslang eine monatliche Rente zahlt, gibt es von der Unfallversicherung einmalig einen vorher vereinbarten Geldbetrag, wenn der Versicherte dauerhaft in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Mit diesem Einmalbetrag kann zum Beispiel ein notwendiger Umbau am Haus finanziert werden, wenn man etwa durch einen Unfall an den Rollstuhl gefesselt ist. Die gesetzliche Sozialversicherung, die der Arbeitgeber für seine Mitarbeiter abschließt, zahlt nur für Unfälle während der Arbeitszeit und auf dem Weg zur Arbeit. Unfälle, die – in zwei Drittel aller Fälle – in der Freizeit passieren, sind durch die Sozialversicherung nicht abgedeckt.

Lebensversicherung. Im Gegensatz zur Rentenversicherung deckt eine Kapitallebensversicherung auch die so genannte Hinterbliebenenversorgung ab. Das heißt, wenn der Versicherte – also in der Regel derjenige, der die Familie finanziell versorgt – stirbt, bekommen die Kinder oder andere Begünstigte, die in dem Vertrag genannt werden, die Lebensversicherung ausbezahlt. Kommt es nicht zum Todesfall, geht die Versicherungssumme an den Versicherten selbst. Soll nur die Familie abgesichert werden, ohne dass man selbst etwas ansparen will, ist eine Risikolebensversicherung die weitaus günstigere Variante. Wer noch keine Familie hat, ist mit einer Rentenversicherung zunächst besser beraten als mit einer Lebensversicherung.

Hausratversicherung. Computer, Fernseher, Kleidung, Möbel, Geschirr und die vielen Kleinigkeiten, die sich in einer Wohnung anhäufen, sind zusammengerechnet eine Menge wert. Kommt es zum Beispiel zu einem Brand oder wird bei einem Einbruch etwas gestohlen oder beschädigt, springt die Hausratversicherung ein und ersetzt den Schaden – und zwar zum Neuwert, den es kostet, die Sachen wiederzubeschaffen. Dabei ist es wichtig, die richtige Versicherungssumme zu wählen. Beträgt der Wert der Wohnungseinrichtung zum Beispiel 20 000 Euro, aber die Versicherungssumme ist nur mit 10 000 Euro angesetzt, liegt eine so genannte Unterdeckung vor. Die Versicherung würde dann, unabhängig von der Schadenshöhe, nur 50 Prozent ersetzen.

Rechtsschutzversicherung. Im Verkehrs-, privaten oder beruflichen Bereich kann es schon einmal zu Rechtsstreitigkeiten kommen. Eine Rechtsschutzversicherung deckt die Gerichtsund Anwaltskosten, die bei einer solchen Streitigkeit entstehen – sofern man den Prozess verliert. Wird der Prozess gewonnen, muss die gegnerische Partei alle Kosten übernehmen. Der Vorteil einer Versicherung: Man kann es im Zweifelsfall eher auf einen Prozess ankommen lassen, ohne die hohen Kosten fürchten zu müssen.

Beratung ist zu empfehlen. Für alle Versicherungen gilt: Die Prämien und auch die Leistungen sind von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Ein Laie kann sich hier kaum einen kompletten Überblick verschaffen – professioneller Rat ist also zu empfehlen. Beratungen werden von den verschiedensten Stellen angeboten: Da gibt es zum einen Herrn Kaiser und seine Kollegen – Versicherungsvertreter, die bei einem Unternehmen angestellt sind und ausschließlich dessen Produkte verkaufen. Die Beratung der Kundenbetreuer, wie sie sich heutzutage oft nennen, kann sehr fundiert sein, die Produkte mitunter auch nicht schlecht. Aber einen objektiven Vergleich wird der Interessent hier nicht bekommen, da dem Vertreter nun einmal nur ein begrenztes Angebot, nämlich das seines Arbeitgebers, zur Verfügung steht. Der Bund der Versicherten empfiehlt, bei einem Berater darauf zu achten, ob er zusätzliche Qualifikationen nachweisen kann, zum Beispiel den Abschluss als Fachberater IHK, Finanzwirt bbw oder twi, als Fachwirt für Finanzdienstleistungen IHK, Master of Financial Consulting oder CFP (Certified Financial Planner). Der Bund der Versicherten beschäftigt ebenfalls eigene Versicherungsberater, die bei Fragen konsultiert werden können.

Coachingzone

Die eigene Absicherung gehört sicher nicht zu Ihren Lieblingsthemen. Verordnen Sie sich ein Vorgehen in Etappen und regeln Sie zunächst die einfachen Dinge. So lässt sich die (preiswerte) Haftpflichtversicherung gut übers Internet abschließen. Leicht ist auch der Abschluss einer Risikolebensversicherung, die Sie nur brauchen, wenn Sie einen Angehörigen im Todesfall absichern müssen. Preisvergleich reicht. Um diese Versicherungen kümmern Sie sich noch in diesem Monat, okay?

Wesentlich schwieriger, aber existenziell wichtig ist die Berufsunfähigkeitsversicherung. Nehmen Sie sich am besten vor, dieses Thema innerhalb des nächsten Monats anzugehen. Das schaffen Sie am besten mit professioneller Unterstützung. Meine Empfehlung: Gehen Sie zu einem Makler oder einer Maklerin: Die sind unabhängig und kennen sich nicht nur theoretisch gut aus (schon allein aus Haftungsgründen), sondern haben auch langjährige Vermittlungserfahrung. Schließlich nützen Ihnen die besten Bedingungen nichts, wenn Sie die Versicherung wegen einer alten Knieverletzung ablehnt und Ihre Daten auch noch in eine Zentraldatei wandern, aus der Sie so schnell nicht wieder herauskommen.

Sie brauchen eine individuelle Lösung, die im Ernstfall wirklich hilft. Für die Altersversorgung brauchen Sie mehr Zeit, denn es geht um ein Konzept, das Jahrzehnte halten muss. Seit 2005 gibt es dafür völlig neue „Spielregeln“, eine unabhängige Beratung ist unbedingt zu empfehlen. Sie werden merken: Das etappenweise Vorgehen bewährt sich. Nehmen Sie sich Zeit, aber bleiben Sie am Ball. Dass Sie bei Änderungen in Ihrem Leben wie Heirat, Kinder, Karriere Ihre Absicherung überprüfen müssen, behalten Sie einfach im Blickfeld! HEIDE HÄRTEL-HERMANN

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