Notwendig?!
Zehn Prozent der Berufsunfähigen sind jünger als 40 Jahre. Auch Ihnen kann
niemand garantieren, dass Sie in den nächsten Jahren ungehindert Ihrer Arbeit
nachgehen können. Denn: Jeder fünfte Arbeitnehmer scheidet aus Krankheitsgründen
unfreiwillig vor Beginn des Rentenalters aus dem Berufsleben aus.
Nur die wenigsten haben sich bisher gegen diese drohende finanzielle Katastrophe
abgesichert. Experten raten dringend zu einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung.
Von Sabine Olschner
Bei zahlreichen Berufstätigen machen Körper oder Seele vorzeitig
schlapp. Wer für diesen Fall nicht vorgesorgt hat, steht
gleich vor zwei finanziellen Problemen: Nicht nur das regelmäßige
Gehalt fällt weg – auch für die Altersvorsorge kann
nicht mehr gespart werden. Mit der staatlichen Unterstützung
sieht es düster aus: Arbeitnehmer, die nach dem
1. Januar 1961 geboren sind, bekommen seit Anfang 2001
gar keine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente mehr, für
Ältere wurden die Leistungen stark abgespeckt. Stattdessen
gibt es jetzt die so genannte Erwerbsminderungsrente. Das
bedeutet: Wer nach einer schweren Krankheit oder einem Unfall seinen Beruf nicht mehr ausüben kann,
wird auf eine andere Tätigkeit verwiesen. Ein
Versicherungsangestellter erhält also keinen
Cent aus der Rentenkasse, wenn er noch als
Pförtner arbeiten kann. Erst wer aufgrund seiner
Krankheit weniger als drei Stunden am Tag
einem Job nachgehen kann, erhält die volle
Rente; Berufstätige, die noch zwischen drei und
sechs Stunden arbeiten können, bekommen die
halbe Rente. Zum Leben reicht dieses Geld
allerdings kaum aus, geschweige denn für den
Aufbau einer Altersvorsorge. Besonders hart
betroffen sind Berufseinsteiger: Sie müssen
erst einmal 60 Monate lang in die Rentenkasse
eingezahlt haben, bevor sie von den Leistungen
profitieren können. Wen die Berufsunfähigkeit
also in den ersten fünf Berufsjahren trifft, geht
leer aus. Selbstständige und Freiberufler, die
nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen,
bekommen bei Berufsunfähigkeit ebenfalls
keinerlei Unterstützung.
Um im schlimmsten Fall nicht mittellos dazustehen,
empfiehlt sich – auch und besonders für
Berufseinsteiger – eine private Berufsunfähigkeitsversicherung,
kurz BU. Angebote gibt es
wie Sand am Meer – der Tarifdschungel kann
für den Laien jedoch schnell unübersichtlich
werden: Teuer heißt nicht immer gut, und auch
angesehene Versicherungsunternehmen haben mitunter Klauseln in ihren Verträgen, die spätestens
dann Probleme bereiten, wenn man auf
die Versicherungsleistungen angewiesen ist.
Bianca Höwe vom Bund der Versicherten rät
daher: „Informieren Sie sich anhand von Rankings
über gute Anbieter. Diese finden Sie zum
Beispiel auf den Internetseiten von Verbraucherschutzverbänden.“
Auch das Kleingedruckte
sollte man vor Abschluss eines Vertrags genau
lesen. „Wichtig ist, dass keine Verweisklausel
in dem Vertrag steht. Damit könnte das Versicherungsunternehmen
– wie die gesetzliche Versicherung
– den Kunden auf einen anderen
Beruf verweisen“, erklärt Bianca Höwe. Auch
auf die Zahlung der Rente rückwirkend ab
Beginn der Berufsunfähigkeit sollte man unbedingt
achten, ebenso wie auf die Möglichkeit,
den Versicherungsschutz ohne erneute Gesundheitsprüfung
zu erhöhen.
Ein Teil des BU-Antrags sind die Gesundheitsfragen,
die man stets wahrheitsgemäß beantworten
muss. Denn findet der Versicherer heraus,
dass man bei den Antworten gemogelt
hat, verliert man seinen Versicherungsschutz.
Daher gilt: Je früher eine Berufsunfähigkeitsversicherung
abgeschlossen wird, umso besser.
Denn in jungen Jahren ist man meist noch
gesund, sodass die Versicherer ohne Probleme dem Vertrag zustimmen. Je mehr Vorerkrankungen
man hat, umso eher besteht die Gefahr,
dass einige Risiken – wie zum Beispiel Rückenschäden
bei Vorerkrankungen an der Wirbelsäule
– aus dem Vertrag ausgeschlossen werden
oder der Antrag sogar komplett abgelehnt wird.
Und noch ein Tipp vom Bund der Versicherten:
„Stellen Sie bei mehreren Gesellschaften gleichzeitig
unverbindliche Probeanträge.“ Denn in den
Anträgen wird fast immer gefragt, ob bereits bei
anderen Versicherern Anträge gestellt und abgelehnt
wurden. Wer diese Frage bejahen muss,
hat bei allen weiteren Anträgen von Vornherein
schlechte Karten. Prüfen hingegen mehrere
Gesellschaften gleichzeitig die Gesundheitsverhältnisse,
ist man bei der Frage aus dem
Schneider und kann sich aus den verschiedenen
Angeboten schließlich das beste aussuchen.
Meist wird die vereinbarte Rente ab einer
50-prozentigen Berufsunfähigkeit gezahlt. Ein
25-Jähriger, der bei Berufsunfähigkeit bis zu
seinem 65. Lebensjahr eine Rente über 1000
Euro erhalten will, zahlt für solch eine Versicherung
einen jährlichen Beitrag ab 362 Euro, Frauen
27 Euro mehr. 30-Jährige zahlen mindestens
426 Euro, Frauen 466 Euro. In der Regel sollte
ein Berufsunfähigkeitsschutz bis 65 Jahre vereinbart
werden. Bei den meisten Arbeitnehmern tritt der Versicherungsfall in den letzten Berufsjahren
ein, und Sie müssten dann schon über
erhebliches Vermögen verfügen, um die Zeit
zwischen Berufsunfähigkeit und Renteneintritt
zu überbrücken, abgesehen davon, dass Ihre
Rente dann auch erheblich geringer ausfällt.
Selbstständig oder als Zusatzversicherung?
In der Regel bieten die Gesellschaften eine Risiko-
Lebensversicherung in Kombination mit einer
Berufsunfähigkeitsversicherung an. Die Kombination
mit einer Kapitallebensversicherung oder
einer privaten Rentenversicherung gilt nicht als
empfehlenswert, da Risikoabsicherung nicht mit
Altersvorsorge vermischt werden sollte.
Manchmal sind die Vertragsbedingungen so
gestaltet, dass es günstiger ist, eine selbstständige
Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen.
Um Angehörige im Todesfall abzusichern,
reicht eine zusätzliche Risikolebensversicherung,
die in der Regel sehr günstig ist.
Worauf Sie im Vertrag achten sollten:
- Verzicht auf abstrakte Verweisung:
Der Versicherer darf Sie nicht auf einen
anderen Beruf „verweisen“
- Rückwirkende Zahlung der Rente: Ihre
BU-Rente wird rückwirkend seit Beginn der
Berufsunfähigkeit gezahlt, das sollte auch für
eine verspätete Meldung bis zu drei Jahre
rückwirkend geschehen
- Nachversicherungsgarantie: Erhöhung
des Versicherungsschutzes ohne erneute
Gesundheitsprüfung bei Änderung der
Lebenssituation wie Heirat, Kinder
- Abschluss der Versicherung bis 65 Jahre:
Die letzten fünf bis zehn Jahre nicht versichern
zu lassen, ist verlockend, da sich die Gesellschaften
diesen Schutz teuer bezahlen lassen
Linktipps:
Regelmäßige Vergleichstests:
www.finanztest.de
Bund der Versicherten:
www.bundderversicherten.de
Online-Versicherungsvergleich:
www.versicherungsnetz.de
Forum von unabhängigen Versicherungsexperten:
www.versicherungsboerse.de
Gesamtverband der Deutschen
Versicherungswirtschaft:
www.gdv.de
Buchtipp:
Verbraucherzentrale und Stiftung Warentest
(Hrsg.): Berufsunfähigkeit gezielt absichern,
2. Auflage 2005, € 12,90; zu bestellen unter
www.ratgeber.vzbv.de
Coachingzone
So kommen Sie in sechs Schritten zum Ziel:
1. Informieren
Sie sich über die wichtigsten Prüfpunkte bei Berufsunfähigkeitsversicherungen, vor allem über die Fußfallen bei Versicherungsbedingungen
und Gesundheitsfragen – daran hängt im Ernstfall, ob die Versicherung zahlt.
2. Klären Sie Ihren finanziellen Bedarf. Planen Sie
den Vermögensaufbau mit ein, denn spätestens mit 65 enden die Leistungen der Versicherung. Versichern Sie
mindestens 70 Prozent Ihres Nettoeinkommens, und zwar mit Dynamisierung und einer Laufzeit bis zum Alter von 65.
3. Die Kombination Risikolebensversicherung plus BU-Zusatzversicherung (BUZ) ist empfehlenswert – oft ist der Preis
kaum höher als bei einer selbstständigen BU-Versicherung. Achtung: Die Beiträge zur BUZ bei der neuen Basisrente
(„Rürup-Rente“) sind von der Steuer absetzbar – ein verlockendes Verkaufsargument. Aber bei Kündigung der Hauptversicherung
verlieren Sie die BUZ. Fragen Sie bei dieser Kombination, ob der Beitrag zur Hauptversicherung auch dauerhaft auf null gesenkt werden kann.
4. Holen Sie Angebote zur Probe ein und prüfen Sie, ob Sie
die Gesundheitsfragen und Bedingungen verstehen. Fragen für das Gespräch mit dem Profi notieren.
5. Suchen Sie sich einen Profi, klären
Sie Ihre Fragen und lassen Sie sich Angebote erstellen. Beantworten Sie die Gesundheitsfragen immer absolut
korrekt, im Zweifel auf die Ärzte verweisen. Prüfen Sie vor Ihrer Unterschrift, ob die Unterlagen den vereinbarten
Merkmalen (Laufzeit, Rentenhöhe usw.) entsprechen.
6. Wenn Sie wegen Vorerkrankungen (zum Beispiel
Asthma) keine BU-Versicherung bekommen, brauchen Sie eine Unfallversicherung, dazu eine Dread Disease-Versicherung
(zahlt bei festgelegten Krankheiten wie Krebs) oder eine Grundfähigkeiten-Versicherung (zahlt, wenn
man zum Beispiel nicht mehr selbst essen kann). Auch hier gilt: Gesundheitsfragen immer korrekt beantworten!
Martin Kinkel ist Autor des Buches „Job & Money für jüngere Arbeitnehmer“ mit Tipps zu Finanzen, Steuern und Versicherungen.
www.jobmoney.de
zurück |
nach oben
© 2010 BERUFSZIEL
Nachdruck und Weiterverbreitung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung.