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Träumst du noch oder lebst du's schon?

Von Ideen, Träumen und Machern.
Von Ute Blindert

Ein Traum wird wahr
Von Urban Zintel/Stock4B Gerade erst ist der deutsche Traum vom Mauerfall wahr geworden, als in der Dresdner Wohnung des Kunsthändlers Heinz Miech eine Gruppe von Bürgern zusammenkommt, um über ein kühnes Projekt zu beraten: den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden. Flugzeuge der britischen und amerikanischen Luftwaffe hatten die Stadt am 13. Februar 1945 massiv bombardiert und nahezu dem Erdboden gleich gemacht. Zwar wurde die Frauenkirche nicht direkt getroffen, jedoch fiel der Barock-bau dem durch das Bombardement ausgelösten Feuersturm zum Opfer und stürzte zwei Tage später in sich zusammen. 44 Jahre lang lagen die Trümmer als Mahnmal gegen den Krieg auf dem Dresdner Neumarkt. Immer wieder stellte man Überlegungen zum Wiederaufbau an, doch es fehlten Mittel und Wege zur Realisierung – bis sich am 24. November 1989 jene Runde von Bürgern zusammenfindet. Die Gruppe, unter anderem bestehend aus Architekten, Kunsthistorikern, Bauingenieuren und Zahnärzten, beschließt, es zu versuchen und den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche in die Wege zu leiten. Der dabei ebenfalls engagierte Pastor Karl-Ludwig Hoch hat einen Text vorbereitet, den er „Ruf aus Dresden“ nennt. Um mit der Initiative auch auf breiter Ebene Gehör zu finden, sucht die Gruppe einen prominenten Fürsprecher. Ihre Wahl fällt auf Ludwig Güttler, Professor für Trompete an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden. Er sagt spontan zu: „Ich sah hier endlich die Chance, die Zerstörung zu überwinden.“ „Das Gute war natürlich, dass von der Frauenkirche noch vieles an Substanz da war. Außerdem gab es detaillierte Pläne der verschiedenen Baustadien“, erzählt Walter Köckeritz, Architekt und 1. stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus. Schließlich sollten die noch vorhandenen Teile genutzt und genau dort eingesetzt werden, wo sie ursprünglich verbaut waren. Am 13. Februar 1990, nach langem Ringen um die richtigen Worte, geht der „Ruf aus Dresden“ an die Welt. Fördergesellschaft und später die Stiftung werden gegründet; Förderkreise in aller Welt bilden sich. Und dann werden Spenden gesammelt, Konzerte veranstaltet, und die Dresdner Bank verkauft Stifterbriefe. Auch die öffentliche Hand beteiligt sich mit rund 40 Millionen Euro. So sind bis heute an die 120 Millionen Euro zusammengekommen.

Traumjob
Alexander Olek, CEO epigenomics AG „Mein Kind, was willst du denn einmal werden, wenn du groß bist?“ Jungs antworten dann meistens so etwas wie „Feuerwehrmann“ oder „Lokführer“. Hätte man diese Frage dem kleinen Alexander Olek – er ist heute 35 – gestellt, die Antwort wäre wahrscheinlich damals schon „Biologe“ gewesen: „Ich war schon als Gymnasiast immer bei meinem Vater im Labor.“ Der arbeitete als Professor für Humangenetik an der Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn. Heute übt Olek seinen Traumjob aus: Er ist Vorstandsvorsitzender der epigenomics AG, die er 1998 gründete. Zielstrebig führte ihn sein Weg über erste Erfahrungen in Argentinien („Dort habe ich einem Kollegen meines Vaters geholfen, in Buenos Aires ein Labor aufzubauen.“) zum Studium der Biochemie am Imperial College in London, das er innerhalb von drei Jahren abschloss („Ich wollte nicht erst nach sechs bis sieben Jahren mit dem Diplom fertig sein.“), bis zur Promotion am Max-Planck-Institut für Molekulargenetik in Berlin. Wissenschaft interessiert ihn schon, „doch eher zu zehn Prozent. Mich reizt es mehr, etwas mit den Ergebnissen anzustellen.“ Die Idee lag in der Luft: Das Humangenom-Projekt lief, und das Thema Molekulardiagnostik erschien auf der Bildfläche. Nachdem er sich bereits während der Promotion mit DNS-Methylisierung beschäftigt hatte, gründete er sein Unternehmen, das diagnostische Produkte zur Früherkennung von Krebs entwickelt. Vor der Gründung stand noch ein BWL-Crashkurs auf dem Programm: „Ich habe einen Sommer lang Wirtschaftsbücher gewälzt.“ Er schreibt Businesspläne und sucht weitere Leute für sein Gründungsteam. Er präsentiert seine Geschäftsidee bei Venture-Capital-Firmen, die sich auf Biotechnologie-Unternehmen spezialisiert haben: „Es ist sehr wichtig, ein Vertrauensverhältnis zu den Kapitalgebern aufzubauen.“ Mittlerweile hat Olek einige Finanzierungsrunden hinter sich und 2004 den Börsengang: „Das war für uns zu dem Zeitpunkt genau der richtige Schritt, um unabhängiger von einzelnen Geldgebern zu werden.“ Alexander Olek vermittelt den Eindruck, dass er genau den Job ausübt, den er machen will, „doch in eine Abhängigkeit davon will ich mich nicht begeben.“ Er kann sich durchaus auch ein Leben nach und neben epigenomics vorstellen.

Neue Träume
Von Marcus Gaab Manchmal plätschert das Leben einfach so vor sich hin: Job, Frau, Mann, Kinder, Urlaub, Garten, Reisen. Alles ist Alltag und dazwischen gibt es kleine Höhepunkte. Und dann bricht auf einmal die Katastrophe herein und vieles von dem, was vorher so normal, so selbstverständlich war, ist es nun überhaupt nicht mehr. So ging es Martin Brem, als seine Frau Uschi 2001 plötzlich stirbt. Er hat sich im Musik-Business vom Schlagersänger – 1981 startete er als Marty Brem sogar beim Grand Prix für Österreich – und Journalisten bis zum erfolgreichen Plattenmanager bei Columbia Records in Berlin hochgearbeitet. Er bittet um eine Auszeit, um sich nun erst einmal um seine beiden Söhne, damals neun und elf Jahre alt, zu kümmern. In dieser Zeit ergibt sich durch Zufall seine neue Aufgabe, „vielleicht auch eine Art der Trauerarbeit“: Seine Frau war leidenschaftliche Sammlerin antiker, japanischer Kimonos, aus denen sie Schals schneiderte und über Kaufhäuser in aller Welt verkaufte. Das Label nannte sie „Sai So“, was so viel bedeutet wie „wieder zusammengesetzt“. Als er auf einer Vernissage zwei Designerinnen kennen lernt, entsteht die Idee, mehr aus den reich verzierten, farbenfrohen Stoffen der Kimonos zu machen. Eine erste Kollektion entsteht, die sich respektabel verkauft. Die Presse wird aufmerksam und berichtet über das ungewöhnliche Label. „Damals hatte das noch ganz viel Leichtigkeit. Wir hatten ja noch nicht einmal einen Businessplan“, berichtet Brem. Ihm wird klar, dass er mit Sai So weitermachen möchte. Im Frühjahr 2004 entwickelt er ein Geschäftskonzept und feilt vor allem am Image des jungen Unternehmens. Zusammen mit dem Designer Andreas Jeenicke entsteht eine ganz neue Linie in der Kollektion 2004/2005: „Er arbeitet mit ganz vielen zusätzlichen Nähten und Details.“ Jedes Stück ist ein Unikat und vollständig aus alten Kimonos zusammengesetzt. Für die Weiterverarbeitung müssen die alten Stoffe gereinigt, die einzelnen Bahnen vorsichtig getrennt und katalogisiert werden, bevor etwas Neues entstehen kann. Dieser Aufwand hat seinen Preis. Schals fangen bei knapp 200 Euro an, Röcke bei 750. Nachschub an Kimonos bekommt Martin Brem über den regen Secondhand-Markt in Japan. Regelmäßig sitzt er nachts vor dem Rechner und ersteigert neue Stücke. In Zusammenarbeit mit einem Gürtel- und einem Schuhmacher entsteht eine Accessoire-Linie. Eine Interieur-Linie und Parfüm sollen folgen. Das Konzept lässt sich gut an, seine Kunden, unter anderem Harrods in London und Neimann Marcus aus den USA, bestellen auch in diesem Jahr wieder. Und wenn er einmal träumen dürfte? „Es ist Montag, 11 Uhr. Ich bekomme die neuen Zahlen aus den Geschäften in New York, Los Angeles und Tokio auf den Tisch. Es gibt eine ganze Sai So-Welt.“

Lebenstraum
Edgar Reitz „Ich hatte ja gar nicht vor, eine Jahrhundertchronik zu drehen. Eins hat sich aus dem anderen ergeben.“ Für Edgar Reitz, Filmemacher und Erschaffer von „Heimat – Chronik eines Jahrhunderts“, beginnt die Geschichte seines Werkes „Heimat“ mit einem Scheitern: Sein Film „Der Schneider von Ulm“ hat Reitz finanziell ruiniert, er verliert seine Wohnung, sein Auto und möchte mit dem Filmen aufhören. Lieber möchte er Autor werden. So sitzt er Weihnachten 1978 im Haus von Freunden auf Sylt, eingeschneit, und beginnt sich schreibend mit der Frage auseinander zu setzen, „warum ich Filmemacher geworden bin.“ Seine Erzählung lässt er mit seinem Großvater, einem Schmied aus dem Hunsrück, in der Zeit kurz nach dem 1. Weltkrieg beginnen. Aus der Idee vom Schriftstellerdasein wird nichts. Stattdessen erhält er vom WDR Geld für einen Vierteiler. Der ist irgendwann fertig, doch Reitz selbst war es nicht. Er sah, „dass die Geschichte so viele Fäden gesponnen hatte.“ Es wird nachverhandelt, schließlich werden elf Teile über Familie Simon und das fiktive Örtchen Schabbach im Hunsrück gedreht. „Heimat – Eine deutsche Chronik“ wird weltweit ein Riesenerfolg. Schon während der Dreharbeiten hatte er immer weitergeschrieben und den Grundstein zur „zweiten Heimat – Chronik einer Jugend“ gelegt. 1992 wird sie gesendet, kann aber nicht an den großen Erfolg des ersten Teils anknüpfen. Doch da sind die Ereignisse von 1989 bereits geschehen, und in Reitz reift die Idee zur Fortsetzung: Der Mauerfall, die Wiedervereinigung, das darf in seiner Chronik der Deutschen nicht fehlen. Also: Heimat 3, fertig im Dezember 2004. Am Ende ist „Heimat – Chronik eines Jahrhunderts“ ein Film von 51 Stunden Länge und 30 Folgen geworden. Und das soll alles nach und nach, aus sich selbst heraus entstanden sein? Vielleicht hängt es ja mit der besonderen Arbeitsweise Reitz´ zusammen, mit der Zeit und der Ruhe, mit der er seine Figuren sich entwickeln lässt: „Ich versuche, meine Personen im Film dem Leben ähnlich werden zu lassen. Dabei gehe ich wie ein Maler vor, der ein Porträt malen möchte, ich versuche wirklich, ihr Innerstes, ihren Charakter zu erfassen.“ Annähernd 300 Charaktere werden in „Heimat“ so liebevoll gepflegt. Wenn diese dann ein Eigenleben entwickeln, kann es gut passieren, dass sich neue Geschichten wie von selbst ergeben. Etwas gut zu machen, einen Traum, eine Idee zu verwirklichen, hat also etwas damit zu tun, zu erkennen, was wir wirklich wollen, was unser Traumjob ist, ob Filmemacher, Modeunternehmer oder – Musikerin.


Ist es also das? Wissen, was man will. Es zu versuchen. Arbeit und Energie hineinzustecken. Nicht aufzugeben. Auch wieder aufzustehen, wenn etwas nicht geklappt hat.

Traumziel
Von Wilfried Hamm Dass ihr Weg sie einmal in die Münchner Olympiahalle führen würde, hätte sich Barbara Clear vor ein paar Jahren sicher nicht träumen lassen. Die 40-jährige Musikerin gab am 24. April 2004 ein Konzert vor 8000 Zuhörern und begeisterte das Publikum allein mit ihrer Stimme und ihrer Gitarre. Mit elf Jahren beginnt sie mit dem Gitarrespielen. Es wird sie nicht mehr loslassen. Nach dem Abitur in Oberursel sucht sie sich Jobs, spielt nebenher in Kneipen und gibt Konzerte auf kleineren Bühnen. Oft spielt sie allein oder mit ihrem Trio. Geld ist knapp, nebenher fährt sie jahrelang Taxi. 1986 sieht es so aus, als würden sich die Türen öffnen. Sie lernt einen Produzenten kennen, der mit ihr eine Platte machen will. Doch sie passt nicht richtig ins Schema: Nur ihre Stimme mit Gitarrenbegleitung – das ist zu wenig. Also wird gestylt und arrangiert. Am Ende erscheint auch eine Platte bei einem winzigen Label: ein Flop. Und Barbara Clear merkt, dass es das nicht ist. Sie liebt die Bühne, da kann sie überzeugen und die Menschen begeistern. Also macht sie weiter, spielt auf Partys, Firmenjubiläen, Stadtfesten, produziert Anfang der 90er selbst eine CD, die sich allein über ihre Konzerte verkauft. Ende 2000 trifft sie die Entscheidung, von nun an nur noch Konzerte zu spielen. Sie mietet selbst Hallen an und vermarktet alles in Eigenregie mit Hilfe ihres Managers und Lebensgefährten. „Ein harter Weg. Manchmal habe ich vor 20 Leuten gespielt. Aber die habe ich immer begeistert“, erzählt Barbara Clear. Das Risiko liegt bei ihr, aber wenn es gut läuft, ist kein Management zwischengeschaltet, mit dem sie den Gewinn teilen müsste. Da entsteht im Sommer 2001 eine Idee, eine Schnapsidee auf den ersten Blick: Clear will die Olympiahalle in München für den 24. April 2004 anmieten und ein Konzert geben. Ja, ist die Frau denn verrückt? Die Olympiahalle ist der „Tempel der Stars“, wie sie selbst sagt. Wie soll das gehen, fragen sich auch die Betreiber. Doch Clear hat einen Plan: Die Karten sollen bis dahin auf ihren Konzerten und über ihre Homepage vertrieben werden. Außerdem sollen sie nur zehn Euro kosten, damit sich jeder die Musik leisten kann, „nicht so wie bei den Mega-Konzerten, die 60 bis 70 Euro kosten“. Sie können das Management der Halle überzeugen: „Es war, als hätte diese Idee, mein Mut und meine Begeisterung für die Musik bei denen was ausgelöst.“ Und dann geht die Ochsentour los. Auf jedem Konzert werden Karten verkauft, viele Menschen begleiten sie auf ihrer „Ticket to Munich“- Tour. Mal spielt sie vor Hunderten, sechs Wochen vor dem Konzert aber auch einmal vor 30. „Da war mir so mulmig zumute, aber von den 30 haben dann wieder die Hälfte Karten gekauft.“ Vor allem werden die Medien aufmerksam, die Süddeutsche berichtet, ebenso der Spiegel und dann folgen alle Fernsehsender. Das Konzert wird ein Riesenerfolg, 8000 Zuschauer strömen zur Olympiahalle. Manche kommen sogar aus Bremen, um Barbara Clear zu hören. Der Beginn muss verschoben werden, damit noch alle hereinkönnen. Und dann spielt sie, spielt drei Stunden lang und begeistert Medien wie Publikum. Woher nimmt sie ihre Kraft, ihre Motivation? Immer wieder auf die Bühne zu gehen, immer wieder kraft ihrer Stimme und ihres Könnens an der Akustik-Gitarre zu überzeugen? Clear denkt nach, sagt dann: „Auch wenn es sich ein bisschen kitschig anhört, aber das, was ich tue, ist genau das, wofür ich auf die Welt gekommen bin.“ Es soll weitergehen mit den Konzerten, großen wie kleinen. Für den 12. März ist das nächste in der Olympiahalle geplant. Dann soll 2006 die „Zwergenaufstand“-Tournee folgen, bei der sie sechs große Hallen in Deutschland und Österreich füllen will. Es ist ihr zuzutrauen. Ist es also das? Wissen, was man will. Es zu versuchen. Arbeit und Energie hineinzustecken. Nicht aufzugeben. Auch wieder aufzustehen, wenn etwas nicht geklappt hat.

Traumziel
Wieder Dresden. Die Frauenkirche ist, zumindest von außen, fertig. Zwischen den hellen, neuen Steinen sind die alten, dunklen Steine eingefügt. Ein Nebeneinander, Durcheinander, Zwischeneinander von Alt und Neu. Mahnung an Krieg und Zerstörung auf der einen Seite und beeindruckendes Symbol für Frieden und Wiederanfang auf der anderen. Um den Wiederaufbau möglich zu machen, haben die Initiatoren der Stiftung und des Vereins viel Engagement und Begeisterung für die Sache aufgebracht. Doch letzten Endes war es auch hier so, wie es Edgar Reitz mit seiner Jahrhundert-Chronik ergangen ist: „Wir hatten so viel zu arbeiten und zu tun; kaum ist das eine geschafft, mussten wir uns schon an die nächste Aufgabe begeben“, erklärt Ludwig Güttler, Sprecher der Gesellschaft zum Wiederaufbau der Frauenkirche. „Wir mussten immer in Bewegung sein, wir durften in unserem Bemühen nicht nachlassen. Aber wir haben es gemeinsam hinbekommen.“ Obwohl Güttler auch persönlich investiert hat – aus Zeitgründen gab er seinen Lehrstuhl an der Hochschule für Musik auf – zieht er eine positive Bilanz: „Ich habe sehr viel gelernt, ich durfte eine solche Aufgabe maßgeblich mitgestalten. Das gibt mir und sicher auch den anderen sehr viel Befriedigung.“ Und auf die Frage, wie ist es denn sei, wenn er heute an der Frauenkirche vorbeigehe, strahlt er und sagt einfach nur: „Schön!“

Coachingzone

Uta Glaubitz von Dagmar Stratenschulte Wenn alle Listen abgearbeitet,alle Teammeetings gehalten und jeder Streit mit dem Chef gestritten ist, werden Sie feststellen, dass Geld allein nicht glücklich macht. Denn unter der Routine des Alltags liegen Träume begraben.

Wenn Sie Ihren eigenen Traum finden wollen, warten Sie nicht auf eine Eingebung von oben. Machen Sie sich auf die Suche wie ein Privatdetektiv oder eine Archäologin: Nach Spuren, Überresten oder Scherben.Fangen Sie an in Ihrer Kindheit: Was wollten Sie früher einmal werden? Biologe wie Alexander Olek, Sängerin wie Barbara Clear oder doch lieber Pirat, Fotografin, Tierfilmer oder Musicalstar? Das ist eine erste Spur.

Spielen Sie weiter: Was hätten Sie wohl der Fee gesagt, die Ihnen zur Einschulung einen Berufswunsch versprach? Fußballtrainer, Reporterin oder lieber Koch? Was hätte Ihre Augen damals zum Leuchten gebracht? Vielleicht ist das eine zweite Spur. Stellen Sie sich nun vor, die Fee erscheint Ihnen heute noch einmal und gibt Ihnen einen Berufswunsch frei. Würden Sie in die Entwicklungshilfe gehen, einen Film drehen, eine eigene Erfindung auf den Markt bringen? Zwei oder drei Ideen dazu sind ein weiterer Anhaltspunkt.

Fragen Sie sich auch, wann Sie das letzte Mal die Zeit vergessen haben. Wann haben Sie die Nacht durchgearbeitet, ohne es zu merken? Wann sind Sie freiwillig frühmorgens aufgestanden? Auch das könnte ein kleiner Hinweis sein auf Ihren Traum. Stellen Sie Ihre Fundstücke nun zusammen. Auf ein großes Blatt malen Sie links unten einen Menschen, der träumt. Aus dem Kopf steigen große Blasen. In jeder Blase notieren Sie ein Fundstück: Kinderwünsche, Wünsche an die Fee, wann haben Sie die Zeit vergessen, wann hatten Sie besonders viel Energie? Überlegen Sie auch, wo Sie noch weitere Hinweise auf Ihren Traum finden könnten. Wo würde ein Privatdetektiv suchen – wo die Archäologin?

Jetzt ist Ihre Fantasie gefragt: Schauen Sie sich die Ergebnisse einmal an. Was könnten die bedeuten? Fragen Sie auch andere: „Was seht Ihr in den Blasen meines Traums?“ Und erschrecken Sie nicht. Jeder Traum erscheint zu Beginn völlig unrealistisch. Es ist noch nicht lange her, dass niemand an den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche glaubte. Und Accessoires aus zerschnittenen Kimonos hätte man in Deutschland für unverkäuflich erklärt.

Wenn Ihr Traum klarere Konturen annimmt – was dann? Zwei Dinge können Sie lernen aus der Frauenkirche und dem Ticket to Munich. Erstens: Klein anfangen. Auch ein Auftritt vor 30 Leuten ist ein feiner, wichtiger Erfolg. Zweitens: Suchen Sie Verbündete. Das müssen nicht unbedingt Partner, Eltern oder Freunde sein. Suchen Sie stattdessen nach Leuten, die ihren Traum verwirklicht haben. Suchen Sie nach Alexander Olek, Edgar Reitz oder Barbara Clear. Die werden Ihnen sagen: „Wenn Du etwas wirklich willst, dann musst Du es machen.“ Suchen Sie außerdem nach Leuten, die den gleichen Traum haben wie Sie. Rom wurde nicht an einem Tag und die Frauenkirche nicht von einem Architekten aufgebaut. Zu einem guten Plan gehören gute Verbündete.

Und zum Schluss: Meiden Sie Neider und Bedenkenträger. An jeder Straßenecke stehen Leute, die erklären, warum der Einsatz sich nicht lohnt und Ihr Traum niemals Realität werden kann. Aber Sie wissen es besser: Die Menschheit kann auf den Mond fliegen, die Mauer kann fallen, Christo kann den Reichstag verpacken. Und wer weiß: Vielleicht wird Deutschland eines Tages auch noch Weltmeister.
UTA GLAUBITZ


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