Der kreative Imperativ
Kreativität ist zur Chefsache geworden. Bundeskanzlerin
Angela Merkel rief auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum in
Davos den kreativen Imperativ aus. Um den wirtschaftlichen Vorsprung,
den Deutschland sich erarbeitet hat, nicht zu verlieren,
braucht es Menschen mit neuen Ideen. Was liegt also näher, als
kreatives Potenzial zu fördern statt einen Gedanken – wie es häufig
geschieht – im Keim zu ersticken.
Ausschnitte aus der Originalrede in Davos (Quelle:
www.bundeskanzlerin.de 
)

„Kreativer Imperativ – das klingt vielleicht kompliziert,
aber ich verstehe es einfach so: Es gibt
in unserer Zeit die unbedingte Notwendigkeit –
man kann fast sagen, den Zwang – zum Kreativen.
[...] Wer im Wettbewerb der Ideen besteht,
der kann auch seine Zukunft gestalten, und das
gilt für jeden in dieser Welt. Wir sprechen im
Augenblick [...] von Deutschland als dem Land
der Ideen. [...] Ich glaube, von Ideen allein können
wir nicht leben, sondern wir müssen auch
zeigen, dass wir diese Ideen anschließend in die
Tat umsetzen können – jeder an seinem Platz, in
Deutschland, in Europa und in der Welt.
Ich möchte, dass Deutschland in den nächsten
zehn Jahren wieder unter die ersten Drei in
Europa kommt – was Wachstum, was Beschäftigung
und was Innovation anbelangt. [...] Ich
glaube daran, dass wir es schaffen können.
[...] Ideen in die Tat umzusetzen, hört sich gut
an, aber zur Wahrheit gehört bei einer klaren
Analyse natürlich auch, dass es bei uns an vielen
Stellen eine selbstverschuldete Lähmung
gibt: Hier ein Hindernis, dort ein Hindernis, dies
geht nicht, jenes geht nicht. Das heißt, ich habe
das Gefühl, wenn ich über Deutschland spreche,
dass wir mehr Freiraum brauchen, genauer
gesagt, dass wir mehr Freiheit brauchen. [...]
Vor etwa 200 Jahren wurde in Europa durch den
Wandel von der Agrargesellschaft zur Industriegesellschaft
ein ganz deutlicher qualitativer
Wechsel spürbar. Ich glaube, dass wir heute in
einer Zeit leben, in der sich die Industriegesellschaft
zur Wissensgesellschaft wandelt. [...]
Wir müssen in die Zukunft investieren. Das heißt
für mich, dass wir vor allen Dingen in Forschung
und Entwicklung investieren, weil Innovation der
eigentliche Schlüssel ist. Der kreative Imperativ
spiegelt sich in der Frage wider, wie innovativ wir
sind, und dies natürlich in ganz besonderer
Weise in Ländern, die einen hohen Sozialstandard
und vergleichsweise hohe Löhne haben.
Wir können diesen Wohlstand nur halten, wenn
wir der Innovation absoluten Vorrang einräumen.
[...] Es geht dabei auch um den Wettbewerb der
besten Köpfe. [...]
Europa [...] hat viel zu tun, bis zum Jahr 2010
der dynamischste Kontinent zu werden. [...] Aber
den Anspruch, im Sinne des kreativen Imperativs
wieder zu den Innovativen zu gehören, zu denen,
die den Schritt der Welt mitbestimmen, dürfen
wir nicht aufgeben. Ich werde ihn jedenfalls nicht
aufgeben und dafür werben, weil unser Wohlstand
davon abhängt. [...] Ich glaube, wir stehen
heute – in den ersten Jahrzehnten des Informations-
und Wissenszeitalters – wieder vor der
Frage: Nehmen wir teil? Schaffen wir es, an der
Entwicklung der Welt zu partizipieren? [...]
Ich
glaube [...], dass es Versäumnisse gab, weil wir
an bestimmten Stellen Ideen keine Taten und
Umsetzungen folgen ließen. Wir müssen in
Deutschland aber wieder daran glauben, das
schaffen zu können. Und ich werde mich sehr
dafür einsetzen, dass die Regierung daran arbeitet,
dass unser Land wieder besser von seinen
Ideen leben kann. Deutschland und Europa werden
ihren Beitrag dazu leisten, damit im Rückblick
einmal gesagt werden kann: Dies waren für
unseren Kontinent Innovationsjahre. [...]
Deshalb möchte ich auch noch einmal Ludwig
Erhard zitieren [...]: ,Ich will mich aus eigener
Kraft bewähren. Ich will das Risiko des Lebens
selbst tragen, will für mein Schicksal verantwortlich
sein. Sorge du, Staat, dafür, dass ich dazu
in der Lage bin.‘ Das ist die Aufgabe von gestaltender
Politik, [...] die sich voll Freude einem
Wettbewerb um die besten Ideen im Rahmen
des kreativen Imperativs stellt.“
Coachingzone
Linktipps der Redaktion
Werden Sie initiativ! Das Thema „Kreativität
und Innovationen“ ruft nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Politik auf den Plan. Verschiedene Initiativen, die die Bundesregierung
in den vergangenen Monaten und Jahren ins Leben gerufen hat, sollen helfen, das schlummernde Innovationspotenzial in
Deutschland zu wecken.
Wer wissen will, welche Unternehmen mit welchen Projekten an welchen Initiativen teilnehmen, kann sich
unter anderem auf folgenden Webseiten informieren: „Deutschland – Land der Ideen“, teilnehmende Unternehmen sind unter anderem
Adidas, Allianz, Eon, Lufthansa, Roland Berger, www.land-der-ideen.de; „Partner für Innovation“, teilnehmende Unternehmen
sind unter anderem BASF, Bertelsmann, Deutsche Telekom, IBM, Siemens,
www.innovationen-fuer-deutschland.de 
; „Innovationsinitiative
Deutschland“, teilnehmende Unternehmen sind unter anderem Bayer, BMW, EnBW, Henkel, Thyssen Krupp,
www.innovationsinitiative-deutschland.de 
. Und dazu: die Hightech-Strategie für Deutschland –
www.ideen-zuenden.de 
.