Sie sind hier: handwerkSZeug home | drucken

Die Einstein-Faktoren

Die Einstein-Faktoren Einstein, das Jahrhundertgenie. Genialer Physiker, leidenschaftlicher Friedenskämpfer, Mensch. Wie wurde er zu dem, was er war?

Ute Blindert machte sich auf die Suche nach den Einstein-Faktoren und ging der Frage nach: Wie werden wir, was wir sein können? Die E-Faktoren – eine Anleitung für Entdecker und Experimentierfreudige.

Illustriert von Till Lassmann

Stärke deine Stärken
Wer nicht gern verkauft, wird kein Topverkäufer. Wer nicht gern tüftelt, wird kein guter Entwickler. Wer weiß, was er will und was er kann, nutzt seine Stärken optimal aus und kann so von seinen Schwächen ablenken. An allererster Stelle steht dabei immer die Überlegung: Was kann ich? Worin bin ich richtig gut? Um dann direkt einzuhaken und an diesem Punkt das Wissen und Können weiter auszubauen.

Motivation
Das, was wir gern machen, machen wir auch gut und mit Leidenschaft. Auf einmal merken wir nicht mehr, wie die Stunden fliegen und dass wir eigentlich Hunger haben. Einstein selbst liebte seine Arbeit, er war Forscher mit Leib und Seele. Wenn er in seine Gedanken vertieft war, vergaß er die Welt um sich herum und musste oft gar ans Essen erinnert werden.

Durchhaltevermögen
„Zwei Dinge sind zu unserer Arbeit nötig: unermüdliche Ausdauer und die Bereitschaft, etwas, in das man viel Zeit und Arbeit gesteckt hat, wieder wegzuwerfen“, sagte Einstein einmal. Egal, ob man an der Weltformel arbeitet oder daran, Solarzellen oder Autos besser und effektiver zu machen; für alles braucht man Ausdauer und Durchhaltevermögen. Erfolge ergeben sich nicht einfach so, sondern sind das Produkt harter Arbeit. Wenn sich dann aber nach vielen Stunden im Büro oder Labor ein Erfolg abzeichnet, dann fördert das wiederum unsere Motivation. Und lehrt uns, auch beim nächsten Mal wieder dranzubleiben.

Rückschläge/Stehvermögen
Rückschläge gehören zum Leben und sind damit automatisch Bestandteil unserer Arbeit. Was nach einer Niederlage aber wirklich zählt, ist Stehvermögen. Wieder aufzustehen, aus Fehlern zu lernen und weiterzumachen. Einstein gelang das: Als er an der Allgemeinen Relativitätstheorie arbeitete, musste er immer wieder Rückschläge einstecken. Vor allem seine fehlenden Mathematik-Kenntnisse machten ihm zu schaffen. Einstein-Kenner Jürgen Renn, selbst Physiker und Direktor des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, führt das auf sein Selbstvertrauen zurück: „Er war sich seiner Sache so sicher und verfügte über ein so gesundes Selbstvertrauen, dass er nicht aufgab. Er hatte ja bereits schwierige Jahre zwischen seiner Arbeit im Berner Patentamt und seinen Forschungen zu Hause durchzustehen, bevor er 1905 Erfolg hatte.“

Austausch
Mitarbeiter, die ihr Wissen nicht teilen, Teams, die sich nicht austauschen – der Alptraum eines jeden Unternehmens. Die Wissenschaft lebt vom Austausch zwischen jungen und erfahrenen Forschern und Mitarbeitern, aber auch zwischen Fachleuten und Laien. Einstein-Kenner Renn plädiert deshalb: „Forscher sollten sich nicht verkriechen, sondern sich anderen Formen der Wissensvermittlung öffnen, mit Journalisten sprechen und vielleicht auch an Schulen unterrichten, um Kindern zu zeigen, was Technik bedeuten kann.“ Das gilt natürlich ebenso für die Praxis in Unternehmen. Tauschen Sie sich aus! Gehen Sie auf Kongresse, halten Sie Vorträge zu den Themen, die Ihnen täglich bei Ihrer Arbeit begegnen. Treffen Sie sich auch mit Menschen zum Austausch, die gar nichts mit Ihrem Fachgebiet zu tun haben. So bekommt man oft die besten Anregungen – so wie Einstein: In der „Akademie Olympia“ debattierte er im Kreis von „Wissenschaftsamateuren“ statt in akademischen Zirkeln und bekam von seinen „fachfremden“ Freunden immer wichtige Anregungen und Ideen.

Netzwerke
Ein gutes Netzwerk kann uns im entscheidenden Moment weiterbringen oder – gerade in Krisenzeiten – auffangen. Neben organisierten, mehr oder weniger exklusiven Netzwerken wie den Rotariern oder dem BPW (Business Professional Women) für Frauen, gibt es private Netzwerke aus Ex-Kommilitonen aus Uni-Tagen oder dem Ruderclub. Was Sie immer beachten sollten: Ein Netzwerk ist keine Einbahnstraße, es geht immer in beide Richtungen. Sie müssen also die Balance zwischen Geben und Nehmen finden. Geben Sie erst einmal, ohne sofort nach dem RoI (Return of Investment) zu fragen. Der ergibt sich dann meist von selbst. Achten Sie darauf, dass Sie neben den Kontakten aus Ihren beruflichen und privaten Netzwerken auch über ein, zwei wirklich gute Freunde verfügen, denen Sie vertrauen können. Sie brauchen nämlich Menschen, die Ihnen gegenüber absolut ehrlich und offen sind. Und der Meister? Einstein hatte Zeit seines Lebens gute Freunde, mit denen er feiern, aber auch diskutieren konnte.

Neugierde
„Schon Kinder müssen eine Kulturtechnik des Fragens lernen. Es geht weniger um das Wissen als um die Motivation, warum man etwas lernt“, erklärt Jürgen Renn. Und wir müssten uns so etwas wie kindliche Neugier bewahren, sollten nicht aufhören, Fragen zu stellen, auch etwas in Frage zu stellen. So wie Einstein: „Wenn ich mich frage, woher es kommt, dass gerade ich die Relativitätstheorie gefunden habe, so scheint es an folgendem Umstand zu liegen: Der Erwachsene denkt nicht über die Raum-Zeit-Probleme nach. Alles, was drüber nachzudenken ist, hat er nach seiner Meinung bereits in seiner frühen Kindheit getan. Ich dagegen habe mich so langsam entwickelt, dass ich erst anfing, mich über Raum und Zeit zu wundern, als ich bereits erwachsen war. Naturgemäß bin ich dann tiefer in die Problematik eingedrungen als ein gewöhnliches Kind.“

Förderung
Young Professionals sollten in Unternehmen genau beobachten, wie sie gefördert und welche Aufgaben ihnen gestellt werden. Gibt es Mentorenprogramme im Unternehmen, finden regelmäßig Schulungen und Trainings statt, wird vielleicht ein MBA finanziert? Im Gegenzug sollte es allerdings auch selbstverständlich sein, dass Sie sich fragen: „Was kann ich für mein Unternehmen tun? Wie helfe ich jüngeren Kollegen weiter?“ Schließlich musste sich auch Einstein einige Zeit als Privatlehrer und Dozent verdingen, bevor er sich ab 1914 an der Preußischen Akademie der Wissenschaften nur noch seinen Forschungen widmen durfte.

Coachingzone

Das Foto auf dem Einstein uns die Zunge herausstreckt, ist längst zum Symbol der Ikone Einstein geworden. Als leidenschaftlicher Entdecker und unermüdlicher Optimist wird der Wegbereiter der modernen Physik immer im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen. Das verdankt der Visionär seinem unermüdlichen Einsatz für Wissen und Freiheit. Einsteins Mobilität zwischen Studierzimmer und Praxisteams widersetzt sich dem populären Bild vom Elfenbeinturm der Bildungsinstitute.

Nehmen Sie sich ein Beispiel und nutzen Sie Ihre Vermittlungskompetenz und -bereitschaft, um anderen Begabten sowie noch unentdeckten Talenten zu helfen und diese zu unterstützen. Bauen Sie um sich herum ein Kompetenznetzwerk von Menschen auf, die eine gemeinsame Sprache sprechen. Suchen Sie den Kontakt zu denen, die sich an ihrer eigenen Arbeit ebenso interessiert zeigen wie Sie sich an der Ihren. Wählen Sie die richtigen Leute als Sparring-Partner aus, um Ihre eigenen Aktivitäten voranzubringen, aber auch, um die Leistungsbereitschaft bei anderen zu fordern und zu fördern. Nutzen Sie Ihren Ideenreichtum, Gleichgesinnte zu finden, deren Begabungen Sie respektieren und wertschätzen.

Diese Gleichgesinnten können Ihnen auch helfen, Ihre eigenen Fähigkeiten zu ergänzen oder gar zu vervollständigen. Ihr Mut und Ihre Ausdauer lassen sich nur schwer in ein Nine-to-Five Job-Korsett zwingen, eigentlich empfinden Sie die Trennung zwischen Beruf und Privatheit als Konstrukt? Reflektieren Sie doch einmal Ihre Lebensweise – wahrscheinlich finden Sie dadurch Ihre eigene Definition einer Work-Life-Balance: Wenn es für Sie keine Erfüllung ist, einfach mal die Arbeit Arbeit sein zu lassen, bietet es sich doch geradezu an, dass Sie sich auch in Ihrer Freizeit weiter mit „Wissenswertem“ beschäftigen. Fragen und forschen bedeutet für Sie eben schlichtweg die Freiheit des eigenen Geistes. Genießen Sie diese Erkenntnis – am besten gemeinsam mit Menschen, denen es ähnlich geht.
Dr. Johanna Dahm von Andrea Dingeldein



Dr. Johanna Dahm beschäftigt sich im eigenen Beratungsunternehmen und als Hochschuldozentin mit dem Thema Schlüsselkompetenzen. www.johanna-dahm.de externer Link

zurück | nach oben