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Vom Glück...

Ernsthaft glücklich werden:
Was ist schon Glück? Beruflicher Erfolg, ein Lottogewinn oder eine krisenfeste Ehe? Die großen Glücksversprechen springen uns scheinbar leicht ins Auge. In der ersten Ausgabe von BerufSZiel protokollierten wir die euphorischen Formen des Glücks. So beschrieben die Musiker von 2raumwohnung das Glück, das entsteht, wenn sie bei Konzerten in den „Wärmeaustausch mit dem Publikum“ kommen.
Vom stillen Glück ließ sich Martin Rath erzählen.

...nachzufolgen

Frank Frechau; Bild von FERCHAU An einem Tag im Dezember 2000 war es für Heinz und Frank Ferchau so weit. „Das Bergische Land war unglaublich verschneit, der Verkehr war praktisch zum Erliegen gekommen.“ Trotzdem war es für die Ferchaus ein Glücksmoment. Vater und Sohn besuchten ihren Notar, um den allmählichen Übergang der Unternehmensleitung der Ferchau Engineering GmbH auf Frank Ferchau zu regeln. „Nach dem Notartermin, es war spät geworden, hatte nur noch ein ‚Grieche’ geöffnet – wir beschlossen, erst einmal einen Ouzo zu trinken.“ Rund drei Jahre lang hatten die Ferchaus – nicht ohne Reibungspunkte – die Unternehmensnachfolge diskutiert, unterstützt durch zwei Coaches. „Die Idee dazu ging von meinem Vater aus“, erzählt Frank Ferchau. „Er hatte als Erster verstanden, dass wir den Übergang – vor allem die emotionalen Fragen – allein nicht schaffen würden. Mein Vater war unglaublich souverän, als er erkannte, dass uns Vermittlung durch Dritte gut tun würde.“ Als Thronfolger, so Frank Ferchau, habe ihn sein Vater zwar nie behandelt, „doch als sich für mich ungefähr mit 28 Jahren berufliche Alternativen auftaten, hat er sich – wie wahrscheinlich jeder Vater, der ein Familienunternehmen aufgebaut hat – insgeheim gewünscht, dass ich seine Nachfolge antrete.“ Auf die Frage, worin sein Glück liegt, ‚nachzufolgen’, antwortet Frank Ferchau: „Ich dachte zunächst an die vielen Probleme, die auf mich zukamen. Denn es ist ja immer ein Umbruch mit der Nachfolge verbunden. Und es ist nicht so, dass Tausende Mitarbeiter nur darauf warten, dass sich im Unternehmen etwas verändert.“ Doch, so Ferchau: „Man erlebt zwar nicht die intensiven Glücksmomente, die zum Beispiel ein Sportler hat, der eine Medaille gewonnen hat, doch nach einiger Zeit atmet man tief durch und sagt sich: ‚Du, irgendwie hat es doch ganz gut funktioniert.’“
Die Ferchau Engineering GmbH mit Sitz in Gummersbach beschäftigt bundesweit 2300 Mitarbeiter in 29 Niederlassungen.

...vor dem großen Ziel

Nicola Hinz „Es ist besser und gesünder, Katzen zu streicheln, als übermäßig zu essen“, sagt Nicola Hinz. Die 33-jährige freiberufliche Sprachtrainerin und Beraterin hat am 10. Februar eine Diät begonnen. Damals wog sie 122,7 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,68 Metern. Ihr großes Ziel: Sie möchte 60 Kilogramm verlieren. Im Sommer liegt sie schon unter der 100-Kilo-Marke. Ihren Weg dokumentiert Nicola Hinz in einem öffentlichen Tagebuch. „Ich habe dieses Tagebuch begonnen, weil ich hoffte, dass der Druck, die Diät durchzuhalten, so groß wird, mir über Schwierigkeiten hinwegzuhelfen.“ Aufrechterhalten wird dieser Druck inzwischen von einem passablen virtuellen Zuschauerkreis. „Jeder Tag, den ich schaffe, ohne über die Stränge zu schlagen, macht mich sehr zufrieden“, beschreibt sie eine Erfahrung seit dem Frühjahr, „und wenn ich einen ganz besonders schwierigen Tag hinter mir habe, könnte ich vielleicht auch sagen: ‚Das ist ein kleines Glück.‘“ Das „große Glück“ sieht Nicola Hinz aber erst am erfolgreichen Ende ihrer Anstrengungen und sagt grundsätzlich: „Was ich mag sind Ziele. Man sagt zwar oft ‚Der Weg ist das Ziel’. Aber wenn man ehrlich ist, muss man doch sagen, dass der Weg oft nicht viel Spaß macht, gerade bei größeren Zielen, die nicht leicht zu erreichen sind.“ Neben dem „haarigen Glück“ ihrer Katzen sind es denn auch erreichte Ziele, die ihr wichtig sind: „Jedes Mal, wenn ich ein Buch veröffentlicht habe, dann war ich ganz besonders glücklich – ein kleiner Gedichtband, ein Roman – ein Ziel, das man schwarz auf weiß hat.“
Zum virtuellen Tagebuch:
www.candybeach.com externer Link
www.nicola-hinz.com externer Link

...gekündigt zu haben

Oliver Jäkel Oliver Jäkel ist zurzeit noch arbeitslos, aber nicht ohne Arbeit. Doch darin liegt sein Glück: „Ich habe vier Jahre völlig berufsfremd gearbeitet“, berichtet der Politikwissenschaftler, der im Jahr 2000 in Berlin seinen Abschluss machte – und im Anschluss keine adäquate Stelle fand. „Aufgrund meiner EDV-Kenntnisse bekam ich aber einen Job, in den ich richtig hereingerutscht bin.“ In einem Unternehmen der Logistikbranche war Jäkel unter anderem für die Netzwerkorganisation zuständig. „Und wie das dann so ist, man lebt sich ein, kommt einigermaßen klar“, beschreibt er diese Zeit, „aber im Hintergrund gärte immer noch der Wunsch zu promovieren.“ Als sein Leidensdruck wuchs, begann er sich nach Alternativen umzuschauen, fand aber nur die schlechte Lage des Arbeitsmarktes vor und sah auch keine Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt aus wissenschaftlicher Arbeit zu bestreiten: „Ich habe natürlich in der heutigen Hochschullandschaft keine Chance, eine Stelle zu bekommen, die mir die Promotion erlauben würde. Und auf ein Stipendium einer der bekannten Stiftungen brauchte ich mit meinen 34 Jahren auch nicht zu hoffen.“ Angeregt durch ein Berufsfindungsseminar wagte Oliver Jäkel dann doch den riskanten Schritt. „Es kam mir die Idee, mein EDV-Wissen und die Erfahrungen, die ich in der freien Wirtschaft gesammelt habe, als selbstständiger Berater zu nutzen“, erklärt er seine Pläne für die nächste Zeit, „und jetzt zweigleisig zu fahren.“
Zurzeit baut Oliver Jäkel sein Ein-Mann-Unternehmen in Berlin auf. Erste Aufträge gibt es bereits. Und er arbeitet an seiner Doktorarbeit zu einem politikwissenschaftlichen Thema.

Coachingzone

Dr. Marco von Münchhausen; Bild: Studio Meinen VOM GLÜCK... ZUFRIEDEN ZU SEIN Richtig: zu SEIN, nicht erst zu werden. In der westlichen Mentalität propagiert unser innerer Autopilot ständig, wir müssten erst noch dies tun oder jenes erreichen, bevor wir wirklich zufrieden sein könnten. Meist eine Illusion: Denn sobald ein Ziel erreicht ist, setzen wir sofort ein neues, von dem wir wiederum ultimative Zufriedenheit erwarten. Doch ist es nicht leicht, einfach zufrieden zu SEIN, da ein innerer Automatismus ständig auf Fehlersuche ist und uns immer neue, Glück verheißende Wünsche serviert. Denn es gibt keinen Knopf für Zufriedenheit. Vielmehr ist das Zufrieden SEIN die Folge eines inneren Prozesses – vielleicht sogar des entscheidendsten im Leben überhaupt.

Zufriedenheit: 1. mit dem, wie wir sind: uns anzunehmen, mit unseren Stärken und positiven Seiten, vor allem aber auch mit unseren Fehlern und unserem inneren Schweinehund. Gerade letzteren an die Hand zu nehmen, ihn mit einzubeziehen und womöglich sogar zum Freund zu machen, ist Voraussetzung, um seine Ziele mit mehr Leichtigkeit und Spaß zu erreichen. 2. mit den Umständen, die uns umgeben: Auch die äußeren Umstände annehmen und zunächst zufrieden zu sein, mit dem, was wir haben: mit unserem Aussehen, Beruf, Vermögen, unseren Partnern und Kindern – mag einiges auch noch so verbesserungsbedürftig erscheinen. Egal auf welchem „Niveau“ wir leben, es wird immer etliches geben, was völlig in Ordnung ist, und daneben manches, was uns stört und nach Veränderung schreit. Aber: Es gibt weit mehr Dinge, mit denen wir zufrieden sein können!

Fragt man Menschen, denen man zehn Rechnungen vorlegt, von denen neun richtig und eine falsch sind, was ihnen daran auffällt, so antworten alle, ausnahmslos alle: „Eine ist falsch!“. Keiner sagt: „Neun sind richtig“. Ist dies nicht eine Haltung, mit der wir ganz oft durchs Leben gehen? Zufriedenheit erlangen wir, wenn wir uns immer wieder die „neun Richtigen“ bewusst machen. Dann wird das ZufriedenSEIN zum Trampolin für Veränderung und Wachstum im Leben.
Dr. Marco von Münchhausen arbeitet als Referent und ist Autor des Buches „So zähmen Sie Ihren inneren Schweinehund“.
www.vonmuenchhausen.de externer Link

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