Vom Glück...
Ich betrachte Untätigkeit als das wahre Glück, während die Welt sie als großes Unglück ansieht.
Es ist gesagt worden: „Vollkommenes Glück ist das Nichtvorhandensein des Strebens nach
Glück; vollkommenes Ansehen ist das Nichtvorhandensein des Strebens nach Ansehen.“
Laotse 6. Jh. v. Chr.
... Erfolg zu haben

„Der Moment, in dem klar wurde, dass wir nach zwei Fehlversuchen in den Jahren zuvor nun endlich den Aufstieg
in die 1. Bundesliga schaffen würden, war ganz seltsam: Ich stand mit meinem zwölfjährigen Sohn am
Spielfeldrand.
Wir hatten das Spiel gegen Eintracht Trier 3:0 gewonnen und mussten noch warten, wie das
Spiel in Karlsruhe ausgehen würde. Im Stadion war es mucksmäuschenstill. Auf einmal rief jemand: ,Aus!‘ Da
war klar: Wir haben es gepackt, wir sind drin! Mein Sohn und ich lagen uns in den Armen und heulten vor
Glück. An den nächsten beiden Tagen ging in Mainz nichts mehr. 40 000 Menschen feierten auf dem Theaterplatz
in Mainz, es war unbeschreiblich. Auch jetzt ist der Alltag längst kein Alltag. Wir waren ja noch nie in der
1. Liga, es ist also weiterhin ein ganz besonderes Gefühl. Die Menschen hier in Mainz sind immer noch
euphorisch: Als wir nach der Spielpause zum ersten Mal ein Training hatten, waren 15 000 Fans im Stadion.
Und die Karten für diese Saison waren innerhalb eines Tages ausverkauft.
Ich glaube, Mainz 05 zeichnet eine ganz besondere Verbundenheit zwischen Fans und Verein aus. Als wir in
der vorletzten Saison den Aufstieg ganz knapp in letzter Sekunde verpasst hatten, bereiteten uns die Mainzer
einen Empfang, als hätten wir die Champions-League gewonnen. Das hat uns dann auch die Kraft und die
Motivation gegeben, beim dritten Mal den Aufstieg zu schaffen.“
Christian Heidel ist Manager des Fußballklubs FSV Mainz 05, der in der letzten Saison als dienstältester
Zweitligist den Aufstieg in die 1. Liga schaffte.
... zu helfen

„Neulich hatte ich ein wunderschönes Erlebnis in Kabul. Dort arbeitet seit zwei Jahren eine junge Afghanin für
uns. Am Anfang war sie sehr schüchtern, doch als ich vor kurzem wieder da war, konnte ich erleben, wie
selbstbewusst sie gegenüber Männern und ihrer Familie geworden ist. Da habe ich gemerkt: Wir bewirken
was, unsere Arbeit macht Sinn, und das gibt sehr viel Kraft. Vielleicht ist es besser, nicht von Glück zu sprechen,
sondern davon, dass meine Arbeit bei medica mondiale neben ganz vielen schwierigen auch sehr viele
positive Aspekte beinhaltet. Sonst könnte man eine solche Arbeit auch gar nicht langfristig machen. Ich habe
ja schon Ende 1992 mit dem Aufbau eines Zentrums für kriegstraumatisierte Frauen in Zenica in Bosnien
begonnen. Dort konnten wir dann den vergewaltigten Frauen medizinisch und psychologisch helfen. Mittlerweile
haben wir weitere medica mondiale-Zentren im Kosovo, in Albanien und Kabul aufgebaut.
Ich musste allerdings auch sehr schmerzlich lernen, dass ich nicht nur Ärztin und Helferin bin, sondern auch
noch eine private Seite habe, die mal abschalten muss. Besonders das Phänomen der Sekundärtraumatisierung
und noch mehr die Gleichgültigkeit der Menschen hier machten mir zu schaffen, was 1995 einen schweren
Erschöpfungszustand zur Folge hatte. Erst danach habe ich gelernt, auch meinen persönlichen Bedürfnissen
Raum zu geben. 1996 bekam ich meinen Sohn. Heute fühle ich mich viel mehr als ganze Person.“
Monika Hauser, Gynäkologin und Geschäftsführerin der Hilfsorganisation medica mondiale e.V.
... Musik zu machen erzählen Tommi Eckart und Inga Humpe (2raumwohnung)

Inga Humpe: „Unser Glück hat ganz viel mit unserer Musik zu tun. Bei Konzerten erleben wir oft das Phänomen,
dass es zu einem Wärmeaustausch mit dem Publikum kommt, es entsteht eine echte Verbindung zwischen
uns und den Leuten.“ Tommi Eckart: „Natürlich ist jedes Konzert anders, aber es macht jedes Mal
Spaß. Es ist sehr erfüllend, Musik nach unserem Stil zu machen. Um dahin zu kommen, haben wir etwas
riskiert. –Wir nennen das ,Kill your darlings!‘, wenn wir unsere eigenen Regeln umwerfen und versuchen, ganz
offen für neue Einflüsse zu sein. Wir haben ja nicht geahnt, dass wir mit 2raumwohnung so viel Erfolg haben
würden.“ Inga Humpe: „Wir haben zwar schon vorher bei anderen Projekten zusammengearbeitet, und daher
wusste ich, dass es gut funktioniert. Die Arbeit als 2raumwohnung hat ganz viel mit Vertrauen zueinander zu
tun. Und das gefällt mir sehr gut.“ Tommi Eckart: „Ich genieße es sehr, auch wenn ich das nicht jeden Tag
wahrnehme. Unsere Einstellung ist ja auch: ,Das Gute ist besser als das Beste‘.“ Inga Humpe: „Das heißt ja,
dass wir nicht der Illusion der Perfektion nacheilen. Bei unseren Konzerten bin ich die Transporterin, die dem
Publikum unsere Gedanken rüberbringt. Ich gebe sehr viel, aber ich gehe bewusst und diszipliniert mit meinem
Körper um, mache Yoga und Pilates. Wenn ich dann tanze und singe und mit den Leuten eine echte
Verbindung eingehe, dann bin ich glücklich: Singen macht glücklich! Tanzen macht glücklich!“
Inga Humpe und
Tommi Eckart (2raumwohnung) haben gerade ihre neue CD „Es wird morgen!“ herausgebracht.
Glück liegt nicht darin, dass man tut, was man mag, sondern mag, was man tut.
Sir James Matthew Barrie 1860–1937
... sich zu bewegen

„Mich zu bewegen macht mich glücklich. Ich mag es, an meine Grenzen zu gehen. Bei den Paralympics in
Athen war es natürlich toll, am Ende die Silbermedaille gewonnen zu haben. Doch während eines Wettkampfes
versuche ich mich allein auf das Spiel zu konzentrieren und nicht an das Ergebnis zu denken. Ich will dann mein
absolut Bestes geben. So wie im Halbfinale gegen den Dänen Peter Rosenmeyer: Das war ein Superspiel. Ich
habe ihn richtig auseinander genommen und war am Ende sehr zufrieden mit mir. Die Silbermedaille bei diesen
Spielen war enorm wichtig für mich. Einerseits wegen meiner Sponsoren und dann wegen der Publicity für mein
Buch ,Lieber Arm ab als arm dran‘. Als Ende März meine Stelle als evangelischer Pfarrer auslief, entschloss
ich mich, erst einmal eine Auszeit zu nehmen. In der Zeit habe ich mein Buch geschrieben. Als mein Manuskript
für das Buch Ende Juni fertig war, war ich überglücklich. Und als es dann gedruckt vor mir lag, war das
ein unglaubliches Gefühl. Ich hätte nie gedacht, dass es so gut läuft. Ich bekomme viele Anfragen für Vorträge
und Bildungsangebote und mein Buch verkauft sich gut. Dann die Spiele in Athen mit der tollen Atmosphäre
von Olympia, wo ich vielen beeindruckenden Menschen begegnet bin. Überhaupt: 2004 hat mich der liebe
Gott ins Honigtöpfchen getaucht und nun ist alles so offen, ich bin einfach nur neugierig, was weiter passiert.“
Rainer Schmidt, Verwaltungsfachwirt und evangelischer Pfarrer, gewann bei den Paralympics 2004 in Athen
die Silbermedaille im Tischtennis. Sein Buch „Lieber Arm ab als arm dran“ ist beim Gütersloher Verlagshaus
erschienen. Handsigniert ist es auch unter www.schmidt-rainer.com zu erhalten.
... Schokolade zu essen

„Schokolade war für mich immer etwas ganz Besonderes. Zu Hause wurde, auch wenn nicht viel Geld da war,
großer Wert auf Qualität gelegt. Als ich 2001 im Winter nach Berlin ging, hat mich diese Stadt erstmal kalt
erwischt. Also habe ich nach etwas gesucht, das eine Verbindung herstellt – und die Stadt leckerer macht. So
kam ich auf die Idee mit meinem Schokoladenladen und habe meinen Geschmack in Sachen Schokolade
immer weiter entwickelt. Zwei Erfahrungen waren besonders: Die Milchschokolade von Cluizel mit 50 Prozent
Kakao war für mich der Einstieg in die ,dunkle Welt‘. Sie hat einen intensiven Schmelz und viel mehr
Geschmack als jede Tafel aus dem Supermarkt. Und dann die Entdeckung der Schokolade von Domori aus
Genua. Seitdem begeistere ich mich für dunkle Schokolade. Dabei wird jeder Geschmackssinn von salzig bis
süß angesprochen, man schmeckt Früchte und Säure, Kaffee, Nüsse, Holz und Leder. Insofern ist die Variationsbreite
von Schokolade durchaus mit Wein vergleichbar. Ein Täfelchen von Domori, je dünner desto besser,
hält für mich die Zeit an, und der Schmelz ist unvergleichlich. Das Beste ist: Die Entdeckung der großen
Kakaos hat erst begonnen und der Rohstoff hat noch ein enormes Potenzial.“
Holger in´t Veld, In´t Veld Schokoladen, Dunckerstraße 10, Berlin, www.intveld.de
... und der Magie der Mode

„Schön, gerade zu diesem Thema interviewt zu werden. Meine neue Kollektion für den Sommer heißt ja
‚Glück auf!‘ Dafür habe ich mich intensiv mit den alten Arbeitsklamotten der Kumpel aus dem Bergbau auseinander
gesetzt: diese alten Baumwollstoffe, hunderte Male gewaschen, ganz weich vom Tragen. Teilweise
haben wir die alten Anzüge verarbeitet und mit Drucken versehen. Ich glaube, dass die Menschen ein Bedürfnis
nach Ehrlichkeit, nach Authentizität haben. Die ‚Glück auf!‘-Kollektion geht mehr in die Tiefe und setzt sich
auf eine stillere Art mit dem Deutschland-Thema auseinander als die Kollektionen vorher. Während meiner
Studienjahre in Brüssel an der Modeschule La Cambre und meiner Praktika in London und Paris fing ich an,
sehr intensiv über meine Heimat Deutschland nachzudenken. So entstand erst die ‚Déclaration de l´amour à
l´Allemagne‘ mit Zitaten wie einem Pullunder mit ‚1989‘ darauf oder einem Kleid als Hommage an Josef
Beuys. Erst später, ganz zaghaft, kam die Flagge mit den starken Farben Schwarz-Rot-Gold ins Spiel, die dann
mit dem Adler eine zentrale Rolle in der Kollektion von 2004 spielt. Glück hat vor allem mit mir selbst zu
tun, ich empfinde es als eine sehr stille, intime Geschichte. Dabei steht die Freiheit, mich auszudrücken, über
allem. Momentan habe ich noch eine andere spannende Aufgabe. Ich kuratiere für die Ausstellung ‚Floating
Fashion – Mode-Avantgarden rund um den Globus‘ des Stadtmuseums Düsseldorf. Diese setzt sich mit der
Frage auseinander, inwieweit Mode bei aller Globalisierung noch kulturell und regional eigenständig ist. Ich
besuche Studenten an Modeschulen weltweit, schaue mir ihre Kleider an, spreche und diskutiere mit ihnen.
Diese Begegnungen und dieses Glück bei der Kreation auch bei anderen zu sehen, ist sehr schön und sehr
intensiv. Es vermittelt mir immer wieder die ‚Magie des Neuen, die Magie der Mode‘.“
Eva Gronbach ist Modedesignerin und lebt in Köln. Ihre Mode ist zu finden unter www.evagronbach.de.
Coachingzone
Nur wenige Begriffe beschäftigen uns so sehr wie der des Glücks. Die Vision vom glücklichen
Leben liefert uns die Überschrift für unsere Hoffnungen und Ziele und den Antrieb für unsere Entscheidungen und Taten. Dennoch,
die Untiefen kommen schnell. „Glücklich zu leben wünscht fast jedermann; aber die Grundlagen des Glücks kennt fast niemand“,
so sagte Seneca vor 2000 Jahren. Lassen Sie uns deshalb näher betrachten, welche Empfehlungen sich aus den
Gedanken von Menschen ableiten lassen, die ihr Glück gefunden zu haben scheinen. Eines wird schnell deutlich:
Glück beruht auf mehr als einer Säule!
Glück und Erfolg sind Schwestern. Die erste Einsicht lautet: Glück und Erfolg
sind eng miteinander verwoben. „Der Weg ist das Ziel“ hat als Maxime nur begrenzte Gültigkeit. Ob es der Aufstieg
in eine höhere Fußball-Liga oder der Gewinn eines Modepreises ist: Erst wenn tatsächlich gelingt, wonach man schon
so lange strebt, stellt sich echte Befriedigung ein. Bleiben Sie Ihren Zielen deshalb entschlossen auf der Spur.
Verzetteln Sie sich nicht, konzentrieren Sie Ihre Kräfte und betrachten Sie Rückschläge als Teil der Normalität.
Glück beruht auf Sinn. Man kann erreichen, was man will – erst der Sinn schenkt das
Glück. Materiell bringen Monika Hauser ihre Leistungen als Ärztin in Afghanistan sicher wenig.
Immateriell aber, in Hinsicht auf ein sinnvolles Leben, schenken sie ihr tiefe Erfüllung. Betrachten
Sie die Sinnfrage deshalb als Schlüsselfrage. Welche Menschen, Vorhaben, Werte und
Lebensinhalte haben für Sie die oberste Priorität? Was zählt für Sie auf Dauer wirklich?
Glück ist eine Frage der Entscheidung. Viele scheitern daran, dass sie ständig über „schlechte Bedingungen“
klagen. Pfarrer Rainer Schmidt beweist, wie groß die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten
sind. Überprüfen Sie deshalb regelmäßig Ihre persönliche „EDV“, Ihre Einstellung, Denkweise und
Verhaltensmuster. Was davon hilft Ihnen, ein glückliches Leben zu führen,
und was bewirkt das Gegenteil? Was sollten Sie beibehalten, was ändern?
Das Glück liegt in der Gegenwart.
Musik, Tanz und Schokolade haben eines gemeinsam. Sie zeigen, wie wichtig der Genuss des Augenblicks
ist. Und diese Empfehlung bildet auch den Abschluss unserer kurzen Glücksbetrachtung: Schieben
Sie die Glücksmomente im Leben nicht auf. Erhöhen Sie Ihre Wahrnehmungsfähigkeit für das, was in Ihrem
Leben gut läuft und was es bereichert. Ergreifen Sie die vielen Gelegenheiten, die jeder Tag bereithält, um
sich an ihm zu erfreuen! STEFAN F. GROSS
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