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Taktik im Team

Sturm, Verteidigung, Abwehr – wenn die Fußball-WM im Sommer 2006 angepfiffen wird, sind die Rollen für Ballack und Co. klar verteilt und die Ziele hoch gesteckt. Während sich die internationalen Stars auf dem grünen Rasen messen, findet das Match im Büro täglich seine Verlängerung.
VON KERSTIN PINGER

Quelle: PixelQuelle.de Ob das Spiel eine starke Partie wird, mit tollen Paraden und schönen Toren oder doch nur frustrierendes Mittelmaß mit eher armseliger Defensivarbeit, ist eine Frage der Mannschaftsleistung. Da kann der eine ein noch so hoch dotierter Top-Torjäger sein wie der Brasilianer Ronaldinho oder ein Genie am Ball wie der Franzose Zinedine Zidane – ohne das harmonische Zusammenspiel innerhalb der Mannschaft bleibt der Erfolg (meistens) aus. Kraftvoll und intelligent, voller Ideen und Kreativität sein spielerisches Können für die Mannschaft und den Mannschaftserfolg einsetzen?! Diesen Teamgeist wünscht man sich auch hinter den Bürowänden vieler Unternehmen.

Teamaufstellung
Teamplayer sind gesucht! Denn Projekte, Aufgaben, Zielvorgaben eines Unternehmens werden wie auf dem grünen Rasen im Verbund gelöst. Die Aufstellung der Mitarbeiter erfolgt in verteilten Rollen, nach Leistung, Persönlichkeit und Position – leider nicht immer gerecht. Christine Scheffler, Programmleiterin der Bertelsmann University, resümiert das so: „Für ein Team brauchen Sie den klassischen Macher, der Dinge entscheidet und durchführt, den Kritiker, der eingeschlagene Wege auch mal hinterfragt, und denjenigen, der für eine gewisse Teamkultur steht, der für das soziale Miteinander sorgt. Und Sie brauchen auch jemanden, der herausfordert, der kreative Ideen hat.“ Anders gesagt: Jedes Unternehmen braucht Stürmer wie Miroslav Klose, Allroundkönner mit Führungsqualitäten, die Aufgaben übernehmen mit einem klaren Blick für das Ziel und im richtigen Moment schnell und bestimmt Entscheidungen treffen. Das gute Mittelfeld mit brillanten Spielmachern wie Michael Ballack oder David Beckham, die auf das Projekt immer wieder intelligent Einfluss nehmen und wenn nötig beherzt den Richtungswechsel vorgeben und dennoch das Mannschaftsgefüge zusammenhalten. Die Abwehr, auch die eines noch jungen Per Mertesacker, der mit Ausdauer, Koordinationsvermögen und Entschlossenheit die Zusammenarbeit fördert. Und den Torwart, der mit Übersicht, Ausdauer auftritt und Lösungen aufzeigt, wenn’s mal brenzlig wird. Da dürfen auch gerne zwei, wie Kahn und Lehmann, im Unternehmen um ihre Position kämpfen. Konkurrenz belebt das Geschäft. „Wer weiß, warum er ,nur’ die Nummer zwei im Team ist, und was er tun muss, um Nummer eins zu werden, wird auf dem Platz wie auch im Büro mehr Motivation zeigen“, ist Prof. Dr. Henning Allmer, Leiter des Psychologischen Instituts an der Sporthochschule Köln, überzeugt.

Teamgeist
Zugegeben im Büro werden „Tore“ eher im Sitzen verwandelt, und Konflikte können nicht einfach auf der Linie geklärt werden. Aber auch hier kann das Team zur Galavorstellung mit brillanten Pässen auflaufen, wenn die Kommunikation und der Teamgeist stimmen. Und auch unter Druck, wie etwa beim Elfmeter der Fokus der Konzentration auf Problemlösung liegt. „Stress grundsätzlich vermeiden zu wollen, wäre der falsche Weg. Wichtiger ist es, den optimalen Anspannungs- und Erregungszustand zu erreichen“, so Allmer. Gerät nämlich die Mannschaft, sprich das Büroteam in eine Stresssituation – vergleichbar dem Rückstand im Fußball – passieren in der Regel Fehler. Schuldzuweisungen sind dann zwar üblich, zeigen aber nur, ob und wie ein Team funktioniert. „In einem Team muss es nicht immer nur harmonisch zugehen“, erklärt Christine Scheffler. „Die Herausforderung dabei ist, Konflikte konstruktiv und partnerschaftlich zu führen, so dass das gegenseitige Verständnis erweitert wird.“

Teamregeln
Für den Verhaltenswissenschaftler Dr. Klaus Dehner gelten auch im Büro klare Spielregeln e beziehungsweise „Regeln des gemeinsamen Handelns“. Darunter versteht er die gerechte Positionierung nach Leistung, die offene Kommunikation und die emotionale Rückbindung. „Mannschaftsspieler müssen sich darauf verlassen können, dass der beste Teamkollege am richtigen Ort eingesetzt ist, dass er seinen Leistungsbeitrag rechtzeitig und zuverlässig einbringt und dass man Vertrauen untereinander haben kann, weil die Teammitglieder ehrlich miteinander umgehen“, so der Experte von Bio- Logik, dem Unternehmen für Führung und Fortbildung aus Heidelberg. Doch ist bei allem Teamgeist der Erfolgsdruck für den Einzelnen sehr positionsgebunden. Im Fußball wird der Stürmer an seinen umgesetzten Torchancen gemessen, im Job können das brillante Lösungsmodelle sein. Doch nicht immer ist Erfolg dann messbar – wer zählt schon die Tore, die verhindert wurden. Klappern gehört deshalb in jeder Abteilung zum Handwerk. Doch Vorsicht: Es klappert nicht unbedingt derjenige am lautesten, der auch wirklich engagiert ist. Aber ungerecht geht es mitunter auch im Fußball zu. Schließlich sind Torchancen und Torerfolge zwei Paar Schuhe. Ein bisschen Glück gehört eben hier wie dort zum Erfolgserlebnis dazu.



"Im Zweifel für die Mannschaft"

Quelle: Alemannia Aachen Sein Ziel ist der Aufstieg. Ein Gespräch mit Dieter Hecking, 41, Trainer des Zweitliga- Clubs Alemannia Aachen über das „Tagesgeschäft Team“.

Zu einer erfolgreichen Fußballmannschaft gehören gute Spieler. Entscheidet Talent und Können allein schon über Sieg und Niederlage?
Sicher nicht. Elf gute Fußballer können und müssen nicht eine gute Mannschaft sein. Es ist wichtig, die richtige Mischung zu finden. Das Zusammenspiel der talentierten Fußballer mit den Arbeitern. Der Kämpfertyp, der auf dem Platz seine Zweikämpfe gewinnt und der schnelle Spielertyp, der die Eins-Gegen-Eins-Situationen im Angriffszentrum löst. Ich muss als Trainer mit der Auswahl der Einzelnen die bestmögliche Harmonie auf dem Platz erzielen.

Wie finden Sie zu einer homogenen, gut aufgestellten Mannschaft am Spieltag?
Indem ich die Gruppe im Training genau beobachte. Wer bringt eine gute Verfassung mit? Wer passt zu wem? Können die vielleicht auch außerhalb des Spielfelds miteinander? Und das Woche für Woche.

Wie gehen Sie mit Konflikten innerhalb der Mannschaft um?
Bei der Alemannia gibt es tatsächlich kaum Reibungspunkte, was auch an der klaren Hierarchie innerhalb der Mannschaft liegt. Dennoch ist es natürlich möglich, dass mal der vermeintlich bessere Spieler auf der Bank sitzt, weil es im Zusammenspiel auf dem Platz nicht rund läuft. Oder ein Spieler hat schlecht gespielt, dann bekommt er von mir eine deutliche Ansage. Im Training beobachte ich, wie er mit der Kritik und dem zusätzlichen Druck umgeht. Was zählt, ist der Erfolg von Alemannia Aachen und die Frage: Kann ich dem Gegner mit meiner personellen Entscheidung wehtun?

Was passiert, wenn es in der Mannschaft nicht rund läuft? Die Siege ausbleiben?
Dann findet eine kritische Analyse statt. Es kann sein, dass man kleine Veränderungen vornimmt, auch mal einem jungen Amateurspieler eine Chance gibt, der seine Leistungen abrufen kann. Es ist nicht immer leicht, das ausgewogene Verhältnis zu finden und zu entscheiden, wann man einen Spieler besser auswechselt oder im Spiel lässt. Da braucht man auch einfach mal ein bisschen Glück.

Wie viel Individualismus tut der Mannschaft gut? Wann schadet er?
Wenn es in Egoismus endet. Wenn der Spieler nicht mehr für die Mannschaft arbeitet, sondern nur für sich. Aber in diesem Fall gibt es Gruppenprozesse innerhalb einer Fußballmannschaft, die das schon regulieren. Da muss ich als Trainer selten eingreifen.

Wo sehen Sie Gemeinsamkeiten zwischen einem Fußballteam und einer Abteilung in einem Unternehmen?
In beiden Fällen kommt es aus meiner Sicht auf Teamarbeit an. Die individuellen Interessen sollten nicht an erster Stelle stehen, obwohl persönlicher Ehrgeiz natürlich auch wichtig ist.


Zu Gast in der Coachingzone: Markus Merk

Quelle: Merk Coachen heißt Führen, egal ob im Sport oder im privaten und beruflichen Alltag. Der Coach übernimmt eine große Verantwortung, er zeichnet sich als Führungsspieler für die Entwicklung des Unternehmens, für erfolgreiche Projekte und den dafür notwendigen Teamgeist verantwortlich. Eigentlich bin ich als Schiedsrichter immer der Coach von drei Teams. Das Wichtigste ist mein eigenes. Ohne meine beiden Assistenten ist eine reibungslose Spielleitung unmöglich. Entscheidungen im Bruchteil von Sekunden zu treffen und mit meinen Mitspielern abzugleichen, bedarf eines großen Teamverständnisses. Dies ist nicht selbstverständlich und ein fließender Prozess, der einer permanenten selbstkritischen Arbeit unterliegt. Jeder kennt seinen Verantwortungsbereich. Im eigenen Team und im Umgang mit den Kunden, den Spielern, spielen Vertrauen, Berechenbarkeit und Fairness eine entscheidende Rolle. Nur so komme ich einem wichtigen Teilziel, dem Vermeiden von Spannungsfeldern, näher.

Eine schwere Aufgabe bei der emotionalen Atmosphäre in einem Stadion. Je öfter mir dies gelingt, desto weniger Probleme habe ich in meiner Spielleitung und dem Projektmanagement eines Spieles. Ein unauffälliges Coaching der beiden rivalisierenden Mannschaften und aller beteiligten Protagonisten verhindert Konfliktsituationen. Mit präventivem Agieren gelingt es, größere Konflikte mit Spielern zu vermeiden. Dies dient zu ihrem Selbstschutz und ist der weniger sichtbare, aber wichtigste Teil meiner Aufgabe. Ich möchte Spieler, aber auch unmittelbar Beteiligte wie die Trainer, nicht sanktionieren.

Als Coach in der Spezialfunktion Schiedsrichter sehe ich mich als Teil eines Ganzen, der ,maßgeblich mit großer Verantwortung ausgestattet, zum Gelingen beiträgt. Bleibt mein Team dabei unauffällig und gelingt es mir, eine übergreifende Win-Win-Situation herzustellen, bei der alle Spaß am Spiel haben, dann bin ich ein erfolgreicher und zufriedener Coach.
Dr. Markus Merk, DFB- und FIFA-Schiedsrichter, Managementtrainer mit dem Schwerpunkt „Die sichere Entscheidung“. www.merk-es-dir.de externer Link

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