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GO

GO von Olaf Meyer Für seine Anhänger ist Go, das „japanische Brettspiel mit zwei Buchstaben“ aus dem Kreuzworträtsel, mehr als ein Freizeitvertreib – auch den Stil, Geschäfte zu machen, prägt es ihrer Ansicht nach mit.

Der Go-Sinnspruch „Gehe nicht auf die Jagd, wenn dein Haus brennt“ spiegelt sich beispielsweise im Verhalten japanischer Unternehmen wider, gerade im internationalen Wettbewerb von einem gesicherten Heimatmarkt aus zu operieren.

Von Jochen Scheel

Vor dem leeren Spielbrett hocken zwei Spieler. Ihre Steine sind weiß und schwarz und ähneln in Größe und Form Schokoladenlinsen. Abwechselnd setzen sie die Steine auf einen von 361 Punkten des Bretts, die durch 19 waagerechte und 19 senkrechte Linien gebildet werden. Nach und nach kommen die Steine in Berührung, es entstehen Muster von schlichter geometrischer Schönheit.

Umsichtige Strategien
Natürlich ist die Schönheit sekundär, auch wenn sich mancher die Spielutensilien über 3500 Euro kosten lässt – ein Brett aus massivem Kirschholz, Steine aus wertvollen Materialien. Ziel des Go-Spielers ist es, mit seinen Steinen ein möglichst großes „Territorium“ des Brettes zu kontrollieren und vor „Invasionen“ seines Kontrahenten zu schützen. Sieger ist, wer am Ende mehr unbespielte Gebietspunkte kontrolliert als sein Gegenüber. Anders als beim Schachspiel, das abgesehen vom Remis absolute Sieger und Verlierer ermittelt, finden Go-Spieler am Ende eine relative Lage vor: Der Gewinner verfügt zwar über mehr Gebietspunkte als der Verlierer, aber nie über alle. Wenn Gewinn und Verlust jedoch nicht absolut sind, macht es auch wenig Sinn bei der Risiko-Kalkulation schwarz-weiß zu denken. Differenzierung ist gefragt. Go-Training gilt deshalb als gute Denkschulung für den globalen Wettbewerb.

Gehe nicht auf die Jagd, wenn dein Haus brennt.
Sinnsprüche dienen im Go als Lehrhilfen zur besseren Analyse komplexer Situationen. Im Business helfen sie, sich kulturell fremde Denkweisen zu Nutze zu machen: Westliche Konkurrenten legen in ihrem Streben nach endgültiger Marktdominanz Strategien an den Tag, die sich vom scheinbar umständlichen und undurchsichtigen Verhandlungsstil der japanischen Mitbewerber deutlich unterscheiden. Go kann den Sinn dahinter vermitteln: strategische Beweglichkeit, Offenheit und Überlegenheit durch die Vermeidung direkter Konfrontation.

Take your opponent‘s key point as your own.
Dass die Idee vom „Go-Spiel als Business Training“ gar nicht verwegen ist, zeigt der Vergleich mit dem „westlichen“ Schach. Geht es im Schach um das personifizierte Ziel (den König schlagen), das über Gewinn oder Verlust des Spiels entscheidet, fordert Go komplexeres Denken: Denn Vorgaben, nach denen die Steine zu zusammenhängenden Flächen werden, gibt es nicht. Aus kleinen Flächen können größere entstehen. Umsichtige Spieler opfern im Lauf der Partie ganze Areale, etwa um im Schatten einer „Ruine“ neue anzulegen. Das Spiel erreicht eine Komplexität, die es auch erfahrenen Spielern verbietet, sich zum jeweiligen Spielstand allzu definitiv zu äußern. Ziele können sich – anders als beim Schach – schnell und unerwartet ändern. „Take the opponent‘s key point as your own“ ist daher keine Einladung zur direkten Konfrontation. Vielmehr ist es ein Tipp, die Situation optimal zu nutzen, in der man sie auch mal aus der Sicht des anderen betrachtet. www.uncooked.deexterner Link



GO-Spielbrett von Olaf Meyer Die Spielsteine, schwarz und weiß, bestehen in ihrer einfachsten Form aus Massivglas und sind für jeden erschwinglich. Dem Lifestyle sind indes Tür und Tor geöffnet: Wem’s gefällt, der spielt mit Steinen aus Muschelkalk und Schiefer, die er in besonderen Mahagonidosen aufbewahrt. Steine der gehobenen Klasse können 750 Euro kosten, die Dosen weitere 250 Euro. Ein dazu passendes Brett – ein kniehoher Tisch, vor dem die Spieler mit gekreuzten Beinen sitzen – kann in der Luxusfassung, aus einem massiven Kirschholzblock gefertigt, mit 2500 Euro zu Buche schlagen.

Go kam vor rund 2000 Jahren aus China nach Japan. Dort findet es heute zehn Millionen Spieler – und mag damit für die Kultur Japans ähnlich repräsentativ sein wie Skat oder Fußball für Deutschland. Der Stellenwert des Spiels im modernen Japan drückt sich auch finanziell aus: Gut bezahlte Profis in einem Ligasystem mit Auf- und Abstiegschancen. In einem langwierigen Ausscheidungswettbewerb wird der „absolute Meister“ ermittelt, inzwischen zugleich Weltmeister – denn auch Ausländer dürfen am Wettbewerb teilnehmen. Den Gewinnern der jeweiligen Ausscheidungsrunden sowie dem „Meister“ winken sechsstellige Dollarbeträge – mehr als jedem Profi-Golfspieler.

Coachingzone

Stellen Sie Zielfragen einmal zurück. Denken Sie in Gebieten. Beschreiben Sie Ihre gegenwärtigen Tätigkeitsfelder und mögliche zukünftige. Notieren Sie Ihre Kernkompetenzen. Welche „neuen“ Felder könnten Sie besetzen? In welchen angrenzenden Gebieten ist Ihre Kernkompetenz gefragt?

Richten Sie Ihren Fokus auf Einflussnahme, nicht auf direkten Gewinn. Welche Impulse können Sie jetzt bestimmten Gesprächspartnern geben, um Ihren Einflussbereich zu vergrößern? Wie können Sie Ihr Feld in kleinen Schritten erweitern und zielgerichtet verbessern?

Nicht nur im Go-Spiel sind mehrere kleine, bewegliche Gebiete hilfreicher als ein großes – achten Sie aber darauf, dass diese miteinander verbunden sind, beispielsweise über Ihre Kernkompetenzen. Interessant an Go ist: Der bessere Spieler gibt Vorteile an den schlechteren ab – das sorgt für gleiche Chancen. Wie helfen Ihnen Ihre Gegner im Moment über sich selbst hinauszuwachsen? Go zielt weniger auf unmittelbaren Gewinn, sondern eher auf Erhalt und Verbesserung der Spielkultur und damit auf qualitatives Wachstum. Zwei für unsere westliche Business-Kultur beachtenswerte Gedanken. TOM ANDREAS

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