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Dreh am Rad

Quelle: www.hasbro.de Heirat, Beruf, Reichtum – welche Werte sind Ihnen heute wichtig? Erinnern Sie sich noch an das „Spiel des Lebens“? An die bunt bestückten Autos und die Drehscheibe auf dem Spielfeld, die über den Verlauf Ihres „Lebens“ entschied? Die Retrowelle hat uns motiviert, das alte Spiel vom Dachboden zu holen.
Ein Spielbericht von Rainer Bachmann

Jeder will Geld, und das so viel und so schnell wie möglich. Doch wie so oft ist aller Anfang schwer. Die Konkurrenten erhalten je ein Auto (sechs Sitzplätze immerhin!) und eine finanzielle Starthilfe. Der Wettkampf kann beginnen. Und schon beim ersten Zug stellt sich die strategische Frage: Stürze ich mich direkt ins Berufsleben oder besuche ich die Universität? Die Hochschulausbildung kostet Zeit und Geld, bietet allerdings auch einen höheren „Return on Investment“. Das Argument überzeugt. Als Doktor trete ich gegen eine Reiseleiterin und einen Sportler an.

Du hast keine Wahl
Die Berufe sind verteilt, aber eine Sache fehlt noch: die Hochzeit. An diesem Meilenstein des Lebens führt offensichtlich kein Weg vorbei. Auch überzeugte Singles haben keine Chance. Plötzlich sitzt eben ein Lebenspartner im Auto und erteilt womöglich Befehle wie „Schatz, pass doch auf, da will dich jemand überholen.“ Eine Konstellation mit Folgen. Ruckzuck füllen sich unsere Autos mit weiteren blauen oder rosa Stiften, dem Nachwuchs. Ebenso rasch leert sich das Bankkonto durch neue Möbel, teure Weiterbildungen oder Steuerschulden. Hauptsache, die Familie ist glücklich.

Das Leben ist kein Ponyhof
Aus sicherer Entfernung beobachte ich, wie sich bei meinen zwei Konkurrenten die ersten Krisen einschleichen. Und lerne: Das Leben kann hart sein. Kaum setzt unser Modellathlet zum Spurt an, wartet auch schon eine Pechsträhne auf ihn. Sport ist Mord, der Körper braucht dringend eine Erholung. Als Buchhalter hat er mehr Ruhe. Die Konkurrenz holt auf. Doch wie aus heiterem Himmel stürzt ein Baum auf den unversicherten Wohnwagen der hoch verschuldeten Reiseleiterin. Unsere Mitspielerin ist zum ersten Mal sprachlos und hasst ihr virtuelles Leben.

Quelle: Olaf Meyer Jeden Tag eine gute Tat
Ihr Schicksal will niemand teilen. Wer schlau ist, sorgt vor und deckt sich mit Versicherungen und Aktienpaketen ein. Fortune am Glücksrad gehört natürlich dazu. Es werden „Lebensstil“- Karten verteilt, die mir aus der Version meiner Kindertage nicht bekannt sind. Die Spielbeschreibung hilft weiter: Für uneigennützige Aktionen winken stattliche Prämien. Auch wenn einige Feldbeschreibungen für Stirnrunzeln sorgen – manchmal lohnt es sich eben doch, die Schwiegereltern zu besuchen oder einen Baum zu pflanzen.

Das Ende ist nah
Das Ziel rückt näher. Die Reihenfolge ist nebensächlich, Geschwindigkeit ist ja nicht alles im Leben. Vor dem Ruhestand bereitet die letzte Entscheidung großes Kopfzerbrechen: Millionärs- Villa oder Landsitz? In der Villa sichere ich mir meine Lebensstil-Karten, die ich bei einem Aufenthalt auf dem Landsitz aufs Spiel setze, solange sich noch Mitspieler den Weg durchs Leben bahnen. Das Kontingent ist begrenzt, und wenn keine Karten mehr im Umlauf sind, werden die Depots der Landsitze geplündert. Der Buchhalter, von Natur aus luxusorientiert und reich an Trümpfen, will nicht teilen. Etwas anderes als die Villa kommt überhaupt nicht in Frage.

Lohn der Mühen
Der Tag der Abrechnung ist gekommen. Die Lebensstil-Karten, einmal aufgedeckt, erweisen sich als das Zünglein an der Waage. Es gewinnt der Buchhalter, während die Reiseleiterin für ihre Erfindungen mehr kassiert als der Doktor für seine Lebensleistungen. Das habe ich mir anders vorgestellt, bin aber ein fairer Verlierer. Denn der Ausgang des Spiels ist zweitrangig, es gilt wie so oft im wahren Leben: Der Weg ist das Ziel. Und der kann wie beim „Spiel des Lebens“ Irrungen und Wirrungen einschließen, aber immer großen Spaß machen. Zur Not auch im Wohnwagen.

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Coachingzone

Ist das Leben ein Spiel? Spielen ist wichtig. Spielen fördert Kreativität, Intelligenz und strategisches Denken. Der bedeutende Unterschied zum wirklichen Leben besteht darin, dass Sie im Spiel kaum wählen können. Nur wenige Entscheidungen können Sie selbst treffen: Welchen Beruf Sie ergreifen, liegt in der Hand des Würfelglücks. Ist das gut oder schlecht? Stellen Sie sich vor, Sie könnten im realen Leben nicht selbst entscheiden, welchen Job Sie ergreifen oder ob Sie heiraten. Stattdessen durchlaufen Sie einen Test. Je nach Kenntnisstand wird Ihnen der passende Beruf zugeteilt.

Wie bitte? Sie haben keine Freude an dieser Tätigkeit? Sie passt nicht zu Ihrer Persönlichkeit? Das ist Pech. Das wahre Leben schenkt Ihnen keinen Neustart mit der Möglichkeit, noch einmal bei Null anzufangen. Daher gilt: Auch wenn Sie sich manchmal wünschen, dass jemand für Sie denkt – die Verantwortung können Sie nicht abgeben. Entscheidungen prägen das Leben und Ihre Zukunft, deshalb sollten Sie Wichtiges nicht dem Würfel überlassen. Nehmen Sie sich Zeit zum Überlegen und bei Bedarf jemanden, der Sie unterstützt. CORDULA SCHAUB

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