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MBA-Radar

MBA-Radar; Bild von D. Amariucai / STOCK4B MBA. Ist er die Fahrkarte ins berufliche Glück? Diese Frage kommt auf viele Young Professionals zu. Eine Antwort fällt schwer, denn auf dem Markt für Studiengänge zum „Master of Business Administration“ geht es zu wie auf einer viel befahrenen Schifffahrtsroute. BerufSZiel macht den Versuch, Sie durchs Radarbild zu lotsen.
Gehen Sie selbst auf Forschungsfahrt.

Text: Martin Rath


TOEFL

Es gibt Menschen, die Englisch für eine leicht zu erlernende Sprache halten. Der „Test of English as a Foreign Language“, kurz: TOEFL, gibt Aufschluss darüber, ob diese Einschätzung richtig ist. Denn wer als Ausländer an einem Studiengang – jedenfalls gilt dies für über 2000 Colleges und Universities in den USA – teilnehmen möchte, muss sich 140 Fragen in vier Kategorien stellen. Dabei wird das Verständnis gesprochenen Englischs geprüft, des Weiteren gilt es, geschriebene Sätze korrekt zu ergänzen beziehungsweise falsche Sätze zu korrigieren. Es folgen Textfragen und die Aufgabe, einen Essay zu vorgegebenen Thesen zu verfassen. Die Zeit zur Lösung der Aufgaben ist recht knapp bemessen. RELEVANZ: Hoch! Wenn selbst schon eine US-University, der gelegentlich die Qualität einer deutschen Volkshochschule nachgesagt wurde, den TOEFL verlangt, handelt es sich um einen Mindeststandard. LOTSEN-QUALITÄT : Hoch! Fordert eine europäische Business-School den TOEFL nicht, ist zu fragen, wie international ihr Studiengang tatsächlich ausgerichtet ist.


GMAT

zu Deutsch: „Graduate Management Admission Test“. Bei diesem Testverfahren sind Aufgaben zu lösen, die Aufschluss darüber zu geben versprechen, ob der Bewerber für einen MBA-Studiengang in der Lage ist, wirtschaftswissenschaftliche Fragen zu beantworten. Dazu wird die Lösungskompetenz für sprachliche, mathematische und logische Probleme geprüft. Der Test wird in englischer Sprache absolviert (siehe TOEFL). Der computergestützte Test soll beim Prüfling Stress erzeugen: Gibt er eine richtige Antwort, wird die nächste Frage schwieriger – und umgekehrt. So werden die Fragen zwar einfacher, sobald man falsche Antworten gibt, allerdings verringert sich dann auch die Punktzahl. Es zählt die Gesamtpunktzahl, die allerdings – im Wettbewerb der MBA-Eleven untereinander – nicht allein Erfolg verspricht. RELEVANZ: Für die führenden MBA-Anbieter nicht wegzudenken. LOTSEN-QUALITÄT : MBA-„Schmieden“ an Orten, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, verzichten mitunter auf den GMAT – gleich, ob in den USA oder im alten Europa.


GELD verdienen

Wirklich belastbare Zahlen dazu, welche Gehaltssprünge ein MBAAbschluss mit sich bringt, sind kaum zu ermitteln. Zwar kursieren Angaben zum Mehrverdienst, statistische „Basics“ wie die Auswahl der befragten MBA-Titelträger, die Entwicklung ihres Einkommens vor und nach dem MBA – seriöserweise im Vergleich zu anderen Bildungswegen und zur allgemeinen Einkommensentwicklung von Akademikern – bleiben im Nebel (siehe Rankings). RELEVANZ: Niemals soll man mich befragen. LOTSEN-QUALITÄT : Fraglich.


MBA-STUDIUM finanzieren

Einige Unternehmen, beispielsweise aus der Consulting-Branche, finanzieren derzeit MBA-Studien ihrer Young Professionals – ebenso wie eine Promotion. Teilweise wird das Studium in enger Kooperation zwischen Business-School und Unternehmen angeboten. Vom forschen Fragen im Vorstellungsgespräch wird in einigen Ratgebern abgeraten. Eine deutsche MBA-Anbieterin ermöglicht es ihren Schülern, das Studium über einen Kredit bei der regionalen Sparkasse zu finanzieren. In welchem Maß der (Weiter-)Bildungsmarkt von der Kreditwirtschaft in der näheren Zukunft erschlossen werden wird, ist zurzeit leider eine spannende Frage – die von Poltikern beantwortet werden müsste. RELEVANZ: Studiengebühren unter 10 000 Euro für ein MBA-Programm finden sich nicht. Spitzenwerte liegen ohne weiteres beim Sechsfachen. LOTSEN-QUALITÄT : „Was nichts kostet, ist auch nichts.“ (Volksmund)


JUNIOR-MBA

MBA-Radar; Bild von D. Amariucai / STOCK4B In den USA gibt es MBA-Programme, die keine besondere Vorbildung erfordern: Junior-MBAs – in der Regel irrelevant für europäische Interessenten. Spannender ist die Frage, welche Vorbildung der MBA-Anbieter eines anspruchsvollen Programms von Bewerbern verlangt. In der Branche hieß es, eine Schweizer Hochschule habe ihren US-amerikanischen MBA-Kooperationspartner verloren, weil man zu großzügig mit der Aufnahme von Menschen gewesen sei, die zwar Geld und Berufserfahrung mitbrachten, nicht aber ein abgeschlossenes Hochschulstudium. RELEVANZ: „Was wird ein Personalverantwortlicher von Bewerbern denken, die sich ohne vorherigen Hochschulabschluss die drei Buchstaben auf die Visitenkarte drucken lassen?“ (eine Branchenbeobachterin) LOTSEN-QUALITÄT : Daher nicht zu empfehlen.


RANKINGS

Mit über 100 MBA-Anbietern ist der MBA-Markt bereits in Deutschland unübersichtlich, der Weltmarkt für diesen Bildungsweg schreit erst recht nach systematischer Bewertung. In der Form eines Rankings wird diese beispielsweise von der Financial Times – inklusive ihrer deutschen Ausgabe – schon zum siebten Mal offeriert. Für die aktuelle Rangliste der „100 führenden Wirtschaftsschulen“ wurden 127 Einrichtungen ins Auge gefasst: 7900 – gleich 35 Prozent – der befragten MBA-Absolventen beantworteten einen Fragebogen, der unter anderem Kriterien zur Kaufkraft und Karriereentwicklung enthielt. Bewertet wurden die MBA-Anbieter zum Beispiel auch im Hinblick auf die Internationalität ihres Lehrkörpers und die Forschungsleistungen der jeweiligen Institution. RELEVANZ: MBA-Anbieter kritisieren hier zu Lande, dass Rankings zu stark am angelsächsichen Raum orientiert seien. Hilfreich wäre es, wenn das Datenmaterial zu den Rankings vollständig offen gelegt würde. LOTSEN-QUALITÄT : Im Zweifel werden die persönlichen Bildungs- und Karriereinteressen, ohne Zweifel auch das Portemonnaie, die Wahl einer Business-Schule eher bestimmen müssen als ihr Rang in einem Ranking.


EXECUTIVE MBA

Während der klassische MBA als Vollzeitstudium angelegt ist, bietet der Executive MBA die Möglichkeit, neben einer Berufstätigkeit Managementwissen zu erwerben. Dazu müssen Nachwuchsführungskräfte in der Regel zwei bis drei Jahre einen Teil ihrer Freizeit opfern. RELEVANZ: Einerseits bleibt den Unternehmen die Arbeitskraft des MBA-Kandidaten erhalten... LOTSEN-QUALITÄT: … andererseits lassen sie sich das oft auch etwas kosten (siehe MBA-Studium finanzieren).

Der MBA aus drei Perspektiven

Das sagt der Personalmanager:
Hat ein MBA-Absolvent bei Ihnen bessere Chancen als ein Bewerber ohne den zusätzlichen Abschluss?Grundsätzlich machen wir da keinen Unterschied. Es hängt in hohem Maße von den Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle ab. Im Projektmanagement zum Beispiel bevorzugen wir Bewerber, die einen MBA-Abschluss vorweisen können.

Macht es für Sie einen Unterschied, ob ein Ingenieur oder ein Wirtschaftswissenschaftler einen MBA-Abschluss gemacht hat? Für mich ist es auf jeden Fall spannender, wenn ein Ingenieur einen MBA absolviert hat. Denn der Ingenieur lernt durch die Art und Weise, wie ein MBA-Studium verläuft, noch ganz andere Dinge und ergänzt somit sein Ingenieursstudium sinnvoll. Er macht zum Beispiel die Erfahrung, mit einem weniger technischen Blickwinkel an Probleme heranzugehen. Außerdem kann ein Ingenieur sich mit einem MBA hervorragend kaufmännisches Wissen aneignen. Er lernt zu konzipieren und sich selbst besser zu verkaufen. All dies sind Aspekte, an denen es den Ingenieuren häufig mangelt.

Welche Karriereaussichten hat ein MBA-Absolvent? Ein MBA-Bewerber bringt Qualifikationen mit, die ein „normaler“ Absolvent in der Regel noch nicht vorweisen kann: zum einen auf der persönlichen Ebene, zum anderen in der Methodik, an die Dinge heranzugehen. Wer Karriere machen will, muss sich diese Qualifikationen aneignen – egal ob durch einen MBA oder auf einem anderen Weg.

Fördern Sie Mitarbeiter, die nach ein paar Jahren Berufserfahrung ein MBA-Studium anschließen wollen? Das kann man nicht pauschal beantworten. Es muss für den Mitarbeiter eine konkrete Perspektive in unserem Unternehmen geben. Wenn für diese Perspektive Bedarf an kaufmännischem Wissen besteht und der Mitarbeiter dieses Wissen nicht hat, ist der MBA eine notwendige Qualifizierung, die auch dem Unternehmen zugute kommt.

Wie wichtig ist Ihnen der internationale Aspekt eines MBA-Studiums? Da wir ein internationales Unternehmen sind, ist Internationalität für alle Mitarbeiter wichtig – egal ob mit oder ohne MBA.

Marc Naumann, Human Resources Koordinator bei der ABB AG in Mannheim.


Das sagt die Personalberaterin:
Wer profitiert von einem MBA-Studium? Ein MBA kann für angehende Führungskräfte mit unterschiedlichen Zielsetzungen sinnvoll sein. Fachlich ist er meiner Meinung nach am besten geeignet für Personen, die kein wirtschaftswissenschaftliches Studium absolviert haben, zum Beispiel Juristen, Ingenieure oder Mediziner. Für Wirtschaftswissenschaftler kann es mitunter inhaltlich zu Redundanzen kommen. Sie können aber wiederum von der Stärkung ihrer internationalen Kompetenzen profitieren, vor allem wenn sie ihren MBA im Ausland absolvieren. Nicht zu unterschätzen sind auch die persönlichen Netzwerke, die MBA-Studenten mit ihren Kommilitonen knüpfen.

Welches ist der richtige Zeitpunkt dafür? Man sollte den MBA nicht zu früh, aber auch nicht zu spät machen. Meiner Ansicht nach ist der beste Zeitpunkt nach ein bis zwei Berufsjahren. Dann kann der Teilnehmer bereits selbst Input aus der Praxis beitragen. Denn beim MBA-Studium lernt man ja nicht nur aus Büchern oder Vorlesungen, sondern auch viel von den anderen Studenten, indem man sich fachlich austauscht. Wer nur Abschlüsse sammelt, ohne überhaupt bisher das Arbeitsleben kennen gelernt zu haben, handelt eher kontraproduktiv.

Steigt man mit einem MBA auf der Visitenkarte tatsächlich schneller auf der Karriereleiter auf? Wenn jemand das MBA-Studium nur wegen der Karriere absolviert, halte ich das für sehr fragwürdig. Vielmehr sollte der MBA ein persönliches Ziel verfolgen – sei es, inhaltlich etwas dazuzulernen, seine Batterien intellektuell aufzufrischen oder neue Leute kennen zu lernen. Der MBA zeigt den Unternehmen, dass man etwas Besonderes geleistet hat – er ist aber keineswegs unabdingbare Voraussetzung für eine schnelle Karriere. Gern gesehen ist er in allen Unternehmen mit einem internationalen Umfeld. Mittelständischen Unternehmen ist der MBA manchmal eher etwas „unheimlich“.

Birgit Beckmann, Beraterin im Büro Egon Zehnder International in Hamburg.


Das sagt der Absolvent:
„Ich bin nicht ganz repräsentativ für einen MBA-Teilnehmer, weil ich bereits Wirtschaftswissenschaften studiert habe. Mein Ziel war es also nicht, mir im MBA-Studium fehlendes BWL-Wissen anzueignen, sondern ich wollte mir ein starkes Netzwerk aufbauen. Außerdem habe ich die Zeit bewusst dazu genutzt, andere Unternehmen und Geschäftsideen kennen zu lernen und mir zu überlegen, in welche Richtung meine Karriere weitergehen soll.

Der Anstoß für den MBA kam von meinem Arbeitgeber: Um aufzusteigen, benötigt man zwei Studienabschlüsse oder einen Doktortitel. Ich habe mich für die französische Business School INSEAD entschieden, weil die Schule einen starken Fokus auf Europa und Asien legt, zwei Regionen, in denen ich später aktiv sein will. Ich war vier Monate lang in Fontainebleau und sechs Monate in Singapur. INSEAD hat einen extrem guten Ruf und gute Professoren – was sich natürlich auch am Preis bemerkbar macht. Im Nachhinein würde ich mich aber immer wieder für einen MBAAbschluss dieser Art entscheiden – auch wenn ich mich vielleicht mit der Entscheidung schwerer getan hätte, wenn mich mein Arbeitgeber nicht ein wenig getrieben hätte.“

Dominik Stein, 28 Jahre, MBA-Absolvent des INSEAD. Heute arbeitet er bei McKinsey.



Coachingzone

Cordula Schaub; Bild von Coach Academy BILDUNG ist wichtig, nicht nur für den Start in den Beruf. Auch während des Berufslebens ist Weiterbildung ein Muss. Wer Wissenslücken hat, bildet sich sogar noch im Alter im Sinne des „lebenslangen Lernens“ weiter. Zukunftsforscher haben ein Bild davon, wie sich Bildungssysteme entwickeln. Machen Sie es ähnlich und schlüpfen Sie in die Rolle Ihres persönlichen Zukunftsforschers! Was sehen Sie in Bezug auf Ihre berufliche Entwicklung? Eine Weiterbildung nach der anderen als Beweis der eigenen Lernfähigkeit? Besser nicht, denn dieses Denken greift zu kurz! Jede Weiterbildung hat Auswirkungen, an die Sie denken sollten, bevor Sie sich dafür entscheiden.

Deshalb sollten Sie sich Folgendes fragen: Was ist nach der Weiterbildung anders als vorher? In welchem Rahmen möchten Sie das neue Wissen umsetzen? Es ist wichtig, dass Sie sich die zukünftige Tätigkeit so genau wie möglich vorstellen: Welche Aufgaben, Anforderungen und Ziele verlangt sie? Gespräche mit Menschen, die die entsprechende Tätigkeit ausüben, können wichtige Informationen liefern. Karriereambitionierte sollten sich überlegen, welche Art von Karriere sie sich wünschen. Wer als Techniker oder Naturwissenschaftler eine Karriere im Management anstrebt, kann notwendige Zusatzqualifikationen, zum Beispiel BWL-Kenntnisse, in einem MBA-Studium erwerben. Wer eine fachliche Karriere anstrebt, ist mit einer Promotion oder fachspezifischen Weiterbildung gut beraten.

Doch nicht nur der fachliche Nutzen ist für die Wahl der Weiterbildung ausschlaggebend. Persönliche und soziale Kompetenzen, die Sie zum Beispiel in der zukünftigen Beratungsarbeit einsetzen, sind Gründe für die Weiterbildung. Planen Sie, im Ausland zu arbeiten? Dann prüfen Sie Ihren Wissensvorrat auf interkulturelle Kompetenzen und Sprachkenntnisse. Das gilt auch für Young Professionals, die einen Stellenwechsel in ein internationales Unternehmen ins Auge fassen. Sie lernen also dazu, um ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Doch wie groß ist Ihre Investitionsbereitschaft? Welchen Preis sind Sie bereit zu zahlen? Die Rede ist einerseits von finanziellen Aufwendungen wie Studiengebühren, -material und Reisekosten. Andererseits stellt sich die Frage nach dem Preis: Wie viel (Frei-)Zeit kostet die Weiterbildung? Wie viel Zeit können Sie neben Job und Familie für das Studium aufbringen? Auf welche Freizeitaktivitäten können Sie während Ihrer Lernphasen verzichten, auf welche nicht? Wenn Sie vor der Weiterbildung Antworten auf diese Fragen finden, sparen Sie während des Studiums wertvolle Energie und vermeiden Diskussionen mit dem Partner.

Es lohnt sich, in der eigenen Zukunft zu forschen und Lebensentwürfe zu planen. Das motiviert schon früh für den Alltag. Es gehört zu einem gebildeten Menschen, sich Veränderungen anzupassen und seine Perspektiven – wenn nötig – neu auszurichten. Dafür wünschen Sie sich vielleicht hellseherische Fähigkeiten. Ich wünsche Ihnen viel Glück und gutes Gelingen!

Cordula Schaub arbeitet als Business Coach und unterrichtet an der Coach Academy in Stuttgart.
www.coachacademy.de externer Link

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