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Karriere mit Langstrumpf

Karriere mit Langstrumpf; Bild von grimm.design Ringelstrümpfe, rote Zöpfe, einen Affen auf der Schulter – wer erinnert sich nicht an Pippi Langstrumpf, die kleine Rebellin aus der Kinderzeit? Unkonventionell, selbstbewusst und aufgeschlossen hat Pippi Langstrumpf genau die Eigenschaften, die einen Menschen im Leben und im Beruf weiterbringen. Christine Weiner und Carola Kupfer entwickelten daraus das „Pippilotta-Prinzip“.
Sabine Olschner besuchte Christine Weiner und sprach mit ihr über Perfektionismus und Ziele.


Erfinderin des Pippilotta-Prinzips: Blaues Sofa, roter Teppich, gelb gestrichene Wände – Christine Weiner hat sich im Mannheimer Stadtteil Seckenheim ihre eigene kleine „Villa Kunterbunt“ eingerichtet. Die 45-Jährige ist Autorin und Coach für Kommunikation und Karriereplanung (www.christine-weiner.de). Nach einigen Jahren als Erzieherin und Heilpädagogin hat sie das Abitur nachgeholt und BWL studiert. Sie arbeitete zwei Jahre als Assistentin in einer internationalen Heiratsvermittlungsagentur, bevor sie beim Rundfunk einstieg. 1997 begann sie, ihren Traum vom Bücher schreiben zu verwirklichen. Die Idee zum „Pippilotta-Prinzip“ kam ihr und Co-Autorin Carola Kupfer während eines Aufenthaltes in Schweden, der Heimat von Pippi Langstrumpf.

Pippi Langstrumpf ist frech und hält sich nicht an Regeln. Kann man sich eine solche Unvollkommenheit erlauben, wenn man Karriere machen will?
Unvollkommenheit bedeutet nicht, dass man schlampig ist oder seine Arbeit lieblos macht. Nichts ist langweiliger und starrer als eine hundertprozentige Genauigkeit, denn dann darf nichts mehr verändert oder der Situation angepasst werden. Stellen Sie sich einen Rahmen vor, der mit Kugeln gefüllt ist. Ist der Rahmen vollgepresst, bewegt sich keine Kugel. Unvollkommenheit bedeutet, eine Kugel herauszunehmen, damit sich das Gesamtbild bewegen kann – und trotzdem hält es noch. Erst durch diese Lücke, diese vermeintliche Unvollkommenheit, kann sich etwas Neues entwickeln.

Wird aber nicht gerade von einer angehenden Führungskraft Perfektion erwartet?
Alle Führungspersönlichkeiten, die ich kennen gelernt habe, haben ihre Fehler und Macken. Das macht es so einfach, mit ihnen umzugehen. Sie sind flexibel und frei in ihrer Arbeit, dabei aber absolut verlässlich und genau. Und sie machen ihre Arbeit mit Liebe – denn auch wenn man nur zu 80 Prozent perfekt ist, muss man zu 100 Prozent bei der Sache sein. Dies gilt natürlich nicht für alle Berufsgruppen. Ärzte oder Chirurgen zum Beispiel müssen immer 100 Prozent, besser noch 120 Prozent geben.

Was würde Pippi Langstrumpf zu dem Thema Karriere sagen?
Die Frage, ob sie erfolgreich ist oder nicht, kennt Pippi nicht. Sie glaubt an sich, glaubt an die Freude des Tuns und geht davon aus, dass Dinge gelingen. Warum sollten sie ihr auch nicht gelingen? Wenn sie ihr Ziel auf dem einen Weg nicht erreicht, geht sie eben einen anderen Weg. Pippi Langstrumpf würde Karriere nicht mit einem Fragezeichen versehen oder sie als einen großen Berg fürchten, von dem sie nicht weiß, ob sie ihn erklimmen kann. Stattdessen würde sie einfach losgehen. Warum sollte sie schließlich diesen Berggipfel nicht erreichen? Was sollte sie davon abhalten?

Wie erreicht denn Pippi Langstrumpf ein Ziel, das sie sich gesetzt hat?
Sie weiß, wo sie hin will, und erkennt das Ziel. Aber sie sieht auch die Umwege, die zum Ziel führen können. Sie genießt den Weg. Vielleicht erkennt sie auch auf halber Strecke, dass das Ziel gar nicht das ist, was sie erreichen möchte. Dann definiert sie ein anderes Ziel – und das wäre auch in Ordnung. Pippi Langstrumpf geht ihren Weg nicht hastig. Stattdessen erlaubt sie sich, auch mal zu trödeln. Sie blickt sich um, woher sie gekommen ist, sie macht Rast, denkt nach, wo sie gerade steht, und entscheidet, ob der Weg noch immer stimmt. Außerdem überlegt sie sich, wen sie auf ihrem Weg mitnehmen würde – denn zusammen macht es mehr Spaß, ein Ziel vor Augen zu haben. Pippi Langstrumpf ist eindeutig ein Teamplayer und kann sich auch mal auf die Kraft anderer verlassen und ihre Hilfe annehmen.

Warum gelingt Pippi Langstrumpf offensichtlich alles, was sie sich vornimmt?
Pippi ist eins mit sich und mag sich selbst. Solche Menschen haben oft schneller und mehr Erfolg im Beruf. Wer eine positive, offene Lebenseinstellung hat, erweitert seinen Blickwinkel. Dadurch sieht er mehr, als wenn er nur zielgerichtet auf einen Punkt schaut. Neue Lösungen und Möglichkeiten tun sich auf. Pippi Langstrumpf hat keinen Tunnelblick, und sie traut sich, alles zu sagen, was ihr wichtig ist. Wenn sich Mitarbeiter in einem Unternehmen nur dann äußern, wenn sie sich ihrer Sache ganz sicher sind, geht eine Vielzahl von Ideen verloren. Darüber hinaus werden offene Menschen von ihrer Umgebung ganz anders wahrgenommen. Sie wecken das Interesse, es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten. Offene Menschen stehen zu ihren Fehlern, weil sie diese als Teil ihrer Selbst sehen und nicht als Makel. Wer selbst nicht perfekt ist, sieht auch anderen ihre Fehler nach. Kollegen, die nur zu Erfolgen, aber nicht zu ihren Fehlern stehen, sind keine Sympathieträger. Es macht keinen Spaß, mit ihnen zu arbeiten.

Wie kommt man zu solch einem starken Selbstbewusstsein, wie Pipipi Langstrumpf es hat?
Eine Möglichkeit ist es, sich für sich selbst zu interessieren. Pippi wühlt zum Beispiel gerne in ihrer Kommode. Sie findet Sachen, die sie lange verloren glaubte. Ähnlich kann man sich auch auf die Suche nach seinen eigenen Fähigkeiten und Stärken begeben und in der eigenen Seelenkommode wühlen. Man kann die Schubladen mit den Stärken betrachten und die der Schwächen neu sortieren. Vielleicht hat sich ja mittlerweile etwas geändert, oder man beschäftigt sich bewusst mit einer Schwäche. Solch eine Analyse braucht zwar Zeit und Liebe fürs Detail, bereichert das Leben aber ungemein. Vielleicht entdeckt man an einem vermeintlich negativen Verhalten auch eine positive Absicht. Wer zum Beispiel der Meinung ist, er sei zu schüchtern, könnte herausfinden, dass er einfach bedächtiger, genauer, sorgfältiger ist. Das ist wiederum eine hohe Qualität. Indem wir also unsere Schwächen in Stärken umwandeln, finden wir eine Menge Geschenke in uns.

Warum trauen sich viele Frauen nicht, ihre Stärken offen zu zeigen?
Die Erziehung spielt hier eine große Rolle: Jungen dürfen von klein auf ihre Stärke zeigen und werden meist sogar dazu ermuntert. Bei Mädchen wird eher auf Harmonie Wert gelegt. Harmonie lässt aber kein gesundes Konkurrenzdenken zu. Frauen müssen häufig also erst mal lernen, dass Konkurrenz spannend und positiv sein kann. Dazu müssen sie wiederum ihre ganze Kraft zeigen. Zum Glück präsentieren aber immer mehr Frauen ihre Stärken und ihre Fähigkeiten.

Für wen eignet sich das „Pippilotta-Prinzip“, das Sie in Ihrem Buch beschreiben?
Das „Pippilotta-Prinzip“ eignet sich nicht nur für Frauen, die ihre Stärken finden möchten. Es richtet sich auch an Menschen, die durch die Lebensumstände – seien es Kinder, Mann oder Karriere – unbemerkt in einem Trott gelandet sind und jetzt aufwachen und sich fragen, wo denn der Spaß in ihrem Leben geblieben ist. Wenn der Spaß mal da gewesen ist, kann man sich ihn auch wieder holen. Das ist das Gute an dieser Erkenntnis.

Steckt auch in Ihnen eine Pippi Langstrumpf?
Ich habe Pippi Langstrumpf als einen Teil von mir integriert. Aber es gibt auch noch andere Teile. In mir steckt zum Beispiel auch die bedächtige, vorsichtige und zurückhaltende Annika. Manchmal ist der eine Teil belebter, manchmal der andere. Wichtig ist es, zu akzeptieren, dass ich manchmal einen Annika-Tag habe, an dem ich es langsam angehen muss. An anderen Tagen hat wieder Pippi Langstrumpf die Oberhand, und ich will rausgehen, feiern, Leute kennen lernen. Ich habe Pippi und Annika auf jeden Fall gleichermaßen gern. So wie auch die vielen anderen Teile, die ich in mir trage. Da gibt es nämlich noch Robin Hood, die fromme Helene, Miss Piggy aus der Muppet-Show, die erste Frau auf dem Mond, Ottilie und Goethe und noch viele mehr...

Pippi wird erwachsen

Wie wäre Pippi wohl gewesen, nachdem sie ihren Ringelstrümpfen entwachsen wäre? Die Autorinnen Christine Weiner und Carola Kupfer haben sich Gedanken zu Frau Langstrumpf gemacht:
Pippi wird erwachsen; Bild von grimm.design „Wir könnten uns vorstellen, dass Pippi Langstrumpf eine Single-Frau mit wechselnden Liebschaften ist. Sie brauchte schon als Kind nicht unbedingt Menschen um sich, sondern konnte auch gut mit sich alleine sein und sich ihren Tag selbst gestalten. Sie würde aber immer noch auffallen – nicht mehr durch Ringelstrümpfe und rote Zöpfe, sondern durch ihr konsequent authentisches Auftreten. Sie wäre heute sicherlich keine Familienmutter, sondern hätte einen Beruf, der ihr Spaß macht und der ihrer Fantasie und ihrer Kreativität gerecht wird: vielleicht Künstlerin, Journalistin, Designerin oder Grafikerin. Auch in der Forschung könnten wir uns Pippi Langstrumpf gut vorstellen, denn auch für diesen Beruf braucht man viel Fantasie – aber ob sich Pippi wirklich an feste Arbeitszeiten halten könnte, ist fraglich...“


Buchtipps Christina Weiner, Carola Kupfer: Das Pipilotta-Prinzip. Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Campus Verlag 2006.
ISBN 3-593-37768-3, 16,90 Euro
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Renate und Ulrich Dehner: Steh dir nicht im Weg. Mentale Blockaden überwinden. Campus Verlag 2006. ISBN 3-593-37692-x, 19,90 Euro
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Horst Conen: Sei gut zu dir, wir brauchen dich! Vom besseren Umgang mit sich selbst. Campus Verlag 2005. ISBN 3-593-37184-7, 19,90 Euro – ab März auch als Hörbuch erhältlich.
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Kunst à la Pippi

Kunst à la Pippi; Bild von Markus Bertschi Pipilotti Rist, mit bürgerlichem Namen Elisabeth Charlotte Rist, hat zwar keine Villa Kunterbunt und auch kein Pferd namens „Kleiner Onkel“, ist aber trotzdem ein „bunter Vogel“. Am 21. Juni 1962 im schweizerischen Kanton St. Gallen geboren, macht die Künstlerin vor allem durch ihre Videoinstallationen und Experimentalfilme auf sich aufmerksam und zählt heute zu den renommiertesten Konzeptkünstlern der Welt. Ihre Videos sind meistens nur wenige Minuten lang und durch Nachbearbeitung stark verfremdet. In ihren Werken beschäftigt sich Pipilotti Rist häufig mit den Themen Sexualität, dem Unterschied zwischen Mann und Frau sowie dem menschlichen Körper an sich. Zu ihren bekanntesten Werken zählen die Videos „I'm Not The Girl Who Misses Much“ und „Pickelporno“. Ihren Künstlernamen trägt Pipilotti nach eigenem Bekunden bereits seit ihrer Kindheit. Obwohl sie von sich selbst sagt: „Ich bin nicht halb so wild, wie viele meinen“, macht ihre unkonventionelle, selbstbewusste und aufgeschlossene Art sie zu Pippi Langstrumpfs „Schwester im Herzen“. (LH)
www.pipilottirist.net externer Link



Coachingzone

Uta Glaubitz Sind wir nicht alle ein bisschen Pippi Langstrumpf? Ein bisschen unkonventionell, draufgängerisch und humorvoll? Oder halten wir doch lieber den Mund, schließen noch eine Versicherung ab und trutschen zum Yogakurs? Auch wenn wir an Pippi Langstrumpf bewundern, dass sie so frech ist. Denn in die Tasche steckt sie alle: den starken Gustav, Fräulein Prüsselius, Donner-Karlsson und Blom. Doch mit ihrem Selbstbewusstsein will sie nicht die Beste sein. Als Softskills eines High Potentials hat sie bestenfalls Pfannkuchenweitwurf und Feiern zu bieten. Sie ist keine Streberin, kein Goldfisch und noch nicht mal ein Talent. Aber sie kann Pferde stemmen.

Mit Annika dagegen möchte man noch nicht einmal Pferde stehlen. Sie passt besser zu Yoga und Pilates. Hauptsache gepflegt. Sie ist hübsch und vorsichtig, nett, aber angepasst. Damit ähnelt Annika eher der deutsch-schweizerischen Dreifaltigkeit aus Heidi Alm-Öhi, Heidi Kabel und Heidi Klum. Harmlos, spießig, sauber – das ist gut fürs Vorzimmer, aber schlecht für die Zukunft. Denn für die braucht es in den Unternehmen vor und in den Alpen keine Mitläufer, Duckmäuser und beamtigen Typen. Und selbst wenn? Wäre das Ihre Vorstellung vom Leben? Falls nicht, sollten Sie überlegen, wie man ein bisschen mehr Pippilotta und ein bisschen weniger Heidi aus sich machen könnte.

Folgende Maßnahmen wären unmittelbar umsetzbar.
Erstens: Freunde, die einen runterziehen, auf Distanz halten.
Zweitens: Neue Freunde suchen, die einen unterstützen.
Drittens: Sich ein Hobby zulegen, das spielerisch und schnell Erfolgserlebnisse bietet.
Viertens: Den nächsten Termin beim Versicherungsvertreter absagen.
Fünftens: Kommunikationstrainings machen.
Sechstens: In seine Angst hineingehen (Wer Angst vorm Fliegen hat: Fallschirmspringen; wer Angst vorm Singen hat: Gesangsstunden nehmen).
Siebtens: Falls vorhanden – Abos von Frauen- und Männerzeitschriften kündigen.
Sie brauchen achtens keine Diät, keinen Klatsch und keine Kochrezepte. Schmeißen Sie neuntens Ihre Waage auf den Müll, bewundern Sie sich selbst und nicht die Stars; und überlassen Sie das Kochen Leuten, die dafür bezahlt werden. Vielleicht zucken Sie jetzt zusammen. Das macht aber nichts.

Wer mit Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstocher Langstrumpf paktieren will, muss sich daran gewöhnen. Immerhin schlafen laut Pippi die Leute in Guatemala mit den Füßen auf dem Kopfkissen, Ägypter gehen nur rückwärts und Inder nur auf den Händen. Dass jemand engagiertes Liebsein für karriereförderlich hält, wird Pippi also nicht beeindrucken. Und sie hat Recht. Denn Leute, die Erfolg haben, sind oft alles andere als perfekt. Perfekt ist sowieso immer nur die Dekoration… Pippi Langstrumpf dagegen leistet sich ein Gesicht voller Sommersprossen, eine Zahnlücke und viel zu große Schuhe. Das hindert sie aber nicht daran, ein starker Mensch zu sein und ihren Weg zu gehen. Im Gegenteil!

Wie viel Energie hätten Sie übrig, wenn Sie keinem Ideal mehr zwischen Powerpoint und Poweryoga hinterher liefen! Wie viel Zeit hätten Sie für Ihre wichtigen Projekte: Endlich Ihren Job zu wechseln, endlich Ihr erstes Buch zu veröffentlichen, endlich eine politische Kampagne zu starten oder endlich eine Weltreise zu machen. Und zu tun gibt es sowieso genug. Vielleicht sollte Ihr Karriere- Motto für dieses Jahr – und das ist zehntens – lieber lauten: Du bist nicht Deutschland! Du bist Schweden!

Uta Glaubitz ist Berufsberaterin und Autorin des Buches „Der Job, der zu mir passt“.
www.berufsfindung.de externer Link

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