Frank Elstner - "Ideen entstehen durch Neugier"
Schauspieler, Journalist, Fernsehproduzent,
Moderator, Ideengeber –
FRANK ELSTNER ist ein Vielberufener.
Er hat eine ganze Reihe von
Fernsehshows erfunden, darunter den
Dauerbrenner „Wetten, dass...?“.
Sabine Olschner sprach mit ihm über
Neugier und Kreativität.
Waren Sie schon als Kind ein Erfindertyp?
Meine Eltern und meine ehemaligen Mitschüler
behaupten, ich sei schon immer ein sehr kreativer
Mensch gewesen. Als Jugendlicher habe ich
ein Musical geschrieben, Theaterstücke inszeniert
und in der Schule Aufführungen organisiert.
Ich habe mich also schon sehr früh mit den
Inhalten meines heutigen Berufes beschäftigt.
Was war das Erste, was Sie erfunden haben?
Mit zwölf oder dreizehn Jahren war ich bei den
Pfadfindern. Damals haben wir uns häufig
Gruppenspiele einfallen lassen. Ich habe seinerzeit
ein „Falkenschach“ für sechs Personen
erfunden – ein sehr komplexes Spiel, das wir
immer gern gespielt haben.
Wie kommen Ihrer Meinung nach Ideen in die
Welt?
Hauptsächlich durch Neugier. Leider ist
die Tugend, seine Neugier zu pflegen, ein wenig
verloren gegangen. Schuld ist unter anderem
die dauernde Medienberieselung, die die eigene
Neugier hemmt. Wer neugierig ist und viele
Fragen stellt, bekommt viele Antworten.
Dadurch lernt man viel und kann Ideen miteinander
vernetzen. Und schon ist man mittendrin
in der Kreativität. Denn nur durch Vernetzung
entsteht Kreativität.
Gehört zu einem kreativen Geist auch eine
Portion Erfahrung?
Natürlich. Denn je mehr
Erfahrung man hat, umso besser kann man
seine Ideen miteinander verknüpfen. Es heißt,
kreative Mathematiker hätten ihre beste Zeit
zwischen 19 und 21 Jahren. Ich glaube, dass
diese Schöpfungsphase bei Geisteswissenschaftlern
und künstlerischen Berufen länger
anhält.
Steigt die Kreativität mit dem Alter?
Als ich
mit 21 Jahren Discjockey bei Radio Luxemburg
war, sagte mir ein Kollege: „Wenn du in dem
Tempo weitermachst wie bisher, bist du in fünf
Jahren ausgelaugt.“ Ich habe das Gefühl, das
Tempo seither nie gedrosselt zu haben, und
von ausgelaugt kann bei mir keine Rede sein.
Im Gegenteil: Mir fällt heute mehr ein als früher.
Wie gehen Sie an die Ideenfindung heran?
Es gibt zwei Wege: Man kann mit System und
Methode an die Sache herangehen oder sein
Unterbewusstsein beobachten. Es wurde schon
oft genug berichtet, dass ich „Wetten,
dass...?“ mehr oder weniger im Halbschlaf
erfunden habe. Ich bin daher der Meinung:
Man muss auf seine innere Stimme hören, auf
Träume und Begegnungen reagieren und sich
Gedanken darüber machen. Von Menschen,
die gedankenlos sind, ist keine Kreativität zu
erwarten.
Sie haben im Rundfunk und beim Fernsehen
viel erreicht. Wie definieren Sie Karriere?
Für mich bedeutet Karriere der Zustand, der es
mir über die vielen Jahre erlaubt hat, meiner
Neugier nachzugehen. Dazu gehört, dass ich
es mir zum Beispiel leisten kann, nach Paris zu
fliegen, weil mich dort etwas neugierig macht.
In meinem Beruf braucht man für die Kreativität
auch eine gewisse Mobilität. Im Grunde definiert
Karriere aber jeder anders. Für alle gilt: Wenn
man erreicht hat, was man werden will, hat
man Karriere gemacht.
Sie moderieren eine Serie über Wein für den
Hessischen Rundfunk und den Südwestrundfunk
– sind Sie dadurch zum Weinexperten
geworden?
Mir macht es Spaß, die Sendung zu moderieren,
aber ich war nie ein großer Weinkenner.
Was mich allerdings sehr überrascht hat, sind
die vielen verschiedenen Meinungen über die
Verschlüsse von Weinflaschen: Es gibt Glas-,
Kork- oder sogar Drehverschlüsse – worüber
man früher die Stirn gerunzelt hat. Doch wenn
man nachfragt, stellt man plötzlich fest, dass
Dinge, die man früher abwertend beurteilt
hat, heute vielleicht eine Menge Vorteile bieten.
Mein Fazit: Man muss immer neugierig
sein und Dinge hinterfragen – womit wir wieder
am Anfang unseres Gesprächs wären...
Coachingzone
Aus jedem Satz von Frank Elstner spricht Hingabe. Und Hingabe
ist das Zauberwort für Kreativität und Selbstbestimmung. Wer seine Arbeit mit Hingabe macht, wird sie gut
machen. Wer sie mit Hingabe macht, übernimmt Verantwortung. Wir sehen bei jeder Verkäuferin, bei jedem Lehrer,
bei jedem Manager, bei jeder Schauspielerin, ob sie ihre Arbeit mit Hingabe machen oder nicht.
Der Unterschied:
Wer seine Arbeit mag, strahlt. Die anderen zeigen ihren Unmut. Sie können sich an jedem Punkt Ihrer Karriere
fragen: Mache ich das hier wirklich gern? Bin ich am richtigen Platz? Im richtigen Umfeld? Wenn ja: Feiern Sie
dieses große Glück. Wenn nicht? Dann sollten Sie sich Alternativen ansehen: Wo könnte ich meine Talente,
meine Erfahrung, meine Werte besser einbringen? Was ist mir wichtig, wofür lohnt es sich, mich zu bemühen?
Schreiben Sie alle Alternativen auf, die Ihnen einfallen. Klopfen Sie sie dann auf Realisierungsmöglichkeiten ab. Das Denken in Alternativen
bringt wahre Freiheit.
Sabine Asgodom, Management-Trainerin, Coach und Buchautorin, München
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